Es ist Dienstag – Herzlich willkommen zur Andacht@home

Über Mut und Angst und die Wagnisse, die man eingehen sollte

In der vorigen Andacht haben wir uns gefragt, was ein Held, eine Heldin ist und wie wir es schaffen, Heldinnen und Helden zu sein. Diesmal soll es um eine Eigenschaft gehen, die dabei eine wichtige Rolle spielt: um den Mut. Mutig und nicht etwa feige möchte ich nämlich auch gern sein. Ihr sicher genauso. Wir schaffen es nur leider nicht immer. Zu viel Mut – Übermut – ist andererseits auch nicht das Richtige. Wer zu mutig und zu unvorsichtig ist, holt sich leicht eine blutige Nase.

Weil der Mut ein wichtiges Thema ist, kommt er in vielen Geschichten der Bibel vor. Der kleine David zum Beispiel, der gegen den Riesen Goliath kämpft, ist sehr mutig, viel mutiger als ich. An den Riesen Goliath würde ich mich nicht herantrauen. Der kleine David jedoch gewinnt den Kampf. Die Geschichte, die wir uns heute ansehen, nimmt kein so gutes Ende. Trotzdem – oder vielleicht gerade deswegen – hilft sie uns dabei, die Frage zu beantworten, wie wir den Mut aufbringen, über den eigenen Schatten zu springen.

Die Geschichte beginnt am Ufer des Sees Genezareth. Jesus schickt seine Jünger in ein Boot, damit sie über den See fahren. Er selbst will nachkommen. Wie Jesus das machen will, obwohl das Boot schon unterwegs ist, sagt er nicht. Es wird Abend und ein starker Wind kommt auf. Die Jünger im Boot geraten in Seenot. Mitten in dieser stürmischen Nacht, erzählt das Matthäusevangelium weiter, kommt Jesus zu ihnen, und zwar geht er auf dem Wasser.

„Als die Jünger ihn auf dem See gehen sahen, erschraken sie, weil sie meinten, es sei ein Gespenst, und sie schrien vor Angst. Sogleich aber redete Jesus mit ihnen: Seid getrost, ich bin es. Fürchtet euch nicht! Petrus aber entgegnete ihm: Herr, wenn du es bist, so lass mich über das Wasser zu dir zu kommen! Er sprach: Komm! Da stieg Petrus aus dem Boot, und er konnte auf dem Wasser gehen und ging auf Jesus zu. Als er aber den Wind spürte, fürchtete er sich, und als er zu sinken begann, schrie er: Herr, rette mich! Sogleich streckte Jesus seine Hand aus, hielt ihn fest und sagte zu ihm: Du Kleingläubiger! Warum hast du gezweifelt? Und als sie ins Boot stiegen, legte sich der Wind. Die aber im Boot waren, fielen vor ihm nieder und sagten: Ja, du bist wirklich Gottes Sohn!“

Petrus ist der Jünger, der sich besonders viel zutraut. Später im Evangelium verspricht er, immer zu Jesus zu halten. Aber als Jesus verhaftet wird, bekommt es Petrus mit der Angst und tut so, als hätte er noch nie etwas von ihm gehört. Genauso enttäuschend scheint die Geschichte zu verlaufen, die wir gehört haben. Erst nimmt sich Petrus viel vor. Dann ertrinkt er fast. „Du Kleingläubiger!“, sagt Jesus, nachdem er ihn aus dem Wasser gezogen hat. „Warum hast du gezweifelt?“ Das klingt wie ein Vorwurf – als müsse sich Petrus dafür schämen, dass er nicht auf dem Wasser gehen kann. Aber so ist die Geschichte, glaube ich, nicht gemeint. Petrus muss sich nicht schämen. Im Gegenteil. Ich finde ihn mutig, obwohl er es auch in dieser Geschichte mit der Angst bekommt. Mut und Angst schließen einander nicht aus. Sie gehören sogar zusammen. Betrachten wir die Geschichte daher genauer.

Als er sieht, dass Jesus auf dem Wasser gehen kann, möchte Petrus das auch, und als Jesus einverstanden ist, probiert er es. Man kann sich natürlich fragen, wozu es gut sein soll, auf dem Wasser zu gehen, und ich empfehle euch dringend, es lieber nicht zu versuchen. Aber darauf kommt es in der Geschichte nicht an, sondern darauf, dass sich Petrus etwas traut – etwas ganz Schwieriges, was er noch nie gemacht hat. Deshalb finde ich ihn mutig.

Zunächst geht die Sache gut. Ein paar Meter, können wir uns vorstellen, kommt Petrus auf dem bewegten Wasser voran. Dann merkt er, worauf er sich eingelassen hat. Der Wind kommt ihm immer stärker vor, die Wellen immer höher. Petrus geht unter. Zum Glück ist Jesus zur Stelle. Macht er Petrus wirklich einen Vorwurf, weil er ihn retten muss? „Warum hast du gezweifelt?“, fragt Jesus. Das kann auch heißen: „Schade, du hättest es beinahe geschafft.“ Ich verstehe die Geschichte so, dass Petrus bei seiner Mutprobe Angst haben darf. Wenn es ganz einfach wäre, auf dem Wasser zu gehen, gehörte auch kein Mut dazu, es zu probieren. Deshalb habe ich gesagt, Mut und Angst gehören zusammen. Mutig sind wir nicht, wenn wir gar keine Angst kennen. Wer gar keine Angst kennt, ist höchstens dumm. Mutig sind wir, wenn wir unsere Angst bekämpfen. Wie Petrus. Mutig bleiben wir auch dann, wenn wir dabei scheitern. Wieder wie Petrus.

Die Geschichte handelt nicht davon, dass wir uns auf irgendwelche tollkühnen Experimente einlassen sollen. Das wäre nicht mutig, sondern übermütig. Aber wenn es darauf ankommt, etwas zu wagen, was sich wirklich lohnt – auch auf die Gefahr hin, dass die Sache schief geht –, dann können wir uns Petrus zum Vorbild nehmen.

Lieber Gott!

Wir bitten dich um Mut, wenn es darauf ankommt.

Wo wir widersprechen müssen, weil jemand etwas Falsches oder Böses sagt, da hilf uns, den Mund aufzumachen, auch wenn es uns schwerfällt.

Wo wir sehen, dass ein Unrecht geschieht, da gib uns Kraft, über den eigenen Schatten zu springen und einzuschreiten.

Wo wir ein Ziel vor Augen haben, lass uns zuversichtlich darauf zugehen. Amen.

Eine Schöne Woche wünscht euch

Martin Schewe

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