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Endlich frei!

Stellen wir uns eine Welt ohne Regeln vor, eine Welt, in der es keine Gebote und Verbote gibt. Wir dürfen tun, was uns gerade gefällt. Endlich frei! Endlich frei?

Stellen wir uns vor, wir verlassen morgens das Haus. Weil es in unserer Welt keine Gebote und Verbote gibt, gibt es auch keine Verkehrsregeln. Aber wir haben Glück und kommen lebendig auf der anderen Straßenseite an. Dort erwartet uns jemand, der ebenfalls darf, was ihm gefällt. Leider gefällt es ihm, uns das Portemonnaie wegzunehmen. Am besten überlassen wir es ihm. Sonst schlägt er uns zusammen. In einer Welt ohne Regeln ist das völlig in Ordnung, und im Grunde brauchen wir das Portemonnaie gar nicht. In der Welt ohne Regeln bezahlt man nicht. Man nimmt sich einfach, was man haben möchte. Falls man es bekommt. Dafür muss man stärker sein als die anderen.

Die Auseinandersetzung mit dem Straßendieb hat dazu geführt, dass wir zu spät zur Schule kommen. Kein Problem in einer Welt ohne Gebote und Verbote. Auch die Lehrerinnen und Lehrer tun, was ihnen gefällt, und sind überhaupt nicht gekommen. Also wieder nach Hause, wieder vorbei an unserem Straßendieb und durch den lebensgefährlichen Verkehr. Zu Hause können wir jedoch nicht bleiben. Dort wohnt inzwischen jemand anders. Ohne Gebote und Verbote passiert das alle Tage. Uns bleibt nichts anderes übrig als umzuziehen. Auf eine Parkbank vielleicht? Schade, dass wir keine finden. Noch nicht einmal einen Park. In einer Welt ohne Regeln macht sich niemand die Mühe, einen Park anzulegen und Bänke aufzustellen. Es gibt auch keine Eisdielen, Sporthallen, Theater oder Kaufhäuser – ein kompletter Lockdown. Denn nichts funktioniert, wenn jeder das tut, was ihm gerade gefällt. Endlich frei! Endlich frei?

Die Sache wird auch nicht besser, wenn wir uns vorstellen, dass sich zwar alle anderen an Recht und Gesetz halten müssen, bloß ich nicht. Das klingt zunächst vielleicht verlockend. Ich genieße die Vorteile der öffentlichen Ordnung. Um die Nachteile brauche ich mich nicht zu kümmern. Doch freuen wir uns nicht zu früh. Denn möchten wir wirklich so leben? Auf Kosten der anderen? Die Bibel erzählt, dass das Volk Israel in Ägypten in der Sklaverei lebt. Gott befreit die Israelitinnen und Israeliten und gibt ihnen einen Wegweiser für das Leben in Freiheit: die Tora. Darin steht, woran sich die Israelitinnen und Israeliten halten können, damit sie frei bleiben. Auch die zehn Gebote stammen aus der Tora. Ohne Gebote und Verbote sind wir nämlich gerade nicht frei. Das zeigt uns die Welt ohne Regeln. Gebote und Verbote gehören zur Freiheit. Sie schützen die Freiheit. 

Wenn sich die Konfirmandinnen und Konfirmanden mit den zehn Geboten beschäftigen, sind sie sich schnell einig, dass es ohne Regeln nicht geht und dass die Regeln für jeden gelten müssen. Sonst wären sie ungerecht. Allerdings finden die Konfirmandinnen und Konfirmanden nicht alle Regeln gleich sinnvoll und gleich notwendig. Wenn sie die zehn Gebote nach Wichtigkeit ordnen, kommt immer „Du sollst nicht töten“ auf Platz eins. „Du sollst nicht stehlen“ hat ebenfalls gute Karten und meist auch „Ehre deinen Vater und deine Mutter“. Die Eltern wird es freuen – obwohl sich das Gebot gar nicht an Jugendliche richtet, sondern an Erwachsene, die sich um ihre alt gewordenen Eltern kümmern sollen. Bei „Du sollst nicht falsch Zeugnis reden“ sind sich die Jugendlichen nicht sicher, was sie davon halten sollen. Sie verstehen „Du sollst nicht lügen“ und fragen sich mit Recht, ob das tatsächlich immer gilt. Und mit einigen der zehn Gebote können sie auf Anhieb gar nichts anfangen.

Die Hauptsache verstehen sie trotzdem: dass Gottes Gebote kein lästiger Zwang sind, keine willkürliche Schikane und Gott kein autoritärer Spielverderber. Er uns wünscht uns, dass wir menschlich und freundlich miteinander umgehen. Dabei helfen uns seine Gebote. Wir sollen wirklich frei sein und bleiben.

Lieber Gott, wir freuen uns, dass du es gut mit uns meinst, und danken dir für deine Gebote. Sie zeigen uns, wie wir menschenwürdig und in Freiheit leben können. Bitte hilf uns, Rücksicht auf einander zu nehmen und diejenigen von uns zu unterstützen, die auf Zuwendung und Beistand besonders angewiesen sind. Amen.  

Euch allen und euren Familien einen glücklichen Tag und eine gute Woche!

Euer Martin Schewe 

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