Der-Tag-Des: 21. 03. 2022 – Internationaler Tag gegen Rassismus

Schon 1966 wurde der Internationale Tag gegen Rassismus von den Vereinten Nationen ins Leben gerufen. In Gütersloh findet aus diesem Grund heute von 15.00 bis 18.00h ein Aktionstag auf dem Kolbeplatz statt. Hier findet ihr einen guten Überblick, was in diesem Zeitraum für Aktionen dort stattfinden werden.

Für die „Statement Aktion“ wurden im Vorfeld Statements gegen Rassismus und Berichte über Rassismuserfahrungen im Alltag gesammelt. All´ dies könnt ihr heute in einer Art „Gallery Walk“ auf dem Kolbeplatz bewundern.

Über Alltagsrassismus, also über ganz subtilen, fast versteckten Rassismus, der sich zum Beispiel in „vielen Witzen und unbewusst geäußerten Vorurteilen, aber auch im – bewussten – „Übersehen“ und Nicht-Beachten von Menschen“ (Quelle) zeigt, hat Bloggerin Ghazal geschrieben. Sie ist Muslima, trägt ein Kopftuch und geht in die 7. Klasse.

Über den Islam und das Kopftuch in der Schule

Habt ihr schon mal darüber nachgedacht, wie sich die Muslimen fühlen, wenn sie in einer anderen Gesellschaft leben? Ich als Kopftuch-Trägerin habe auf jeden Fall auch schon ganz viel Negatives erlebt, worüber ich gerne berichten würde. Da geht es zunächst mal um Ramadan. Ramadan ist ein Monat im Jahr, in dem Muslime vom Sonnenaufgang, bis Sonnenuntergang fasten müssen. Dazu fallen schon mal Fragen, die manchmal auch nerven, weil sie von manchen Leuten in einer nervigen bzw. belustigen Art und Wiese gestellt werden, wie z.B: 

„Oh mein Gott, dürft ihr nicht mal ein Schluck Wasser trinken?“
„Ey also ich hätte das nie überleben können!“ 
„Komm schon, trink mal was niemand sieht dich!“

Dann ist mein Kopftuch häufig Thema bzw. Grund für sich wiederholende Fragen, wie z.B.:

„Oha, du Arme, du wurdest gezwungen!“
„Was versteckst du in deinem Kopftuch“

Es sind natürlich nicht alle so, ganz viele unterstützen uns und sind nett, aber das sind die negative Sachen, die ich und viele andere Menschen hier erleben!

Ich würde die Fragen gerne beantworten, für alle, die ein ernsthaftes Interessen daran haben.

Wie ihr seht, überleben wir das Fasten in Ramadan 🙂 , weil wir es durchziehen und wir wissen, dass es gut für uns ist und unseren Körper reinigt. Es ist auch schön, wenn wir während des Ramadans mit unserer Familie sind und am Essen dann auch ein gutes Gefühl haben, dass wir den Tag geschafft haben und etwas für unsere Religion tun.

Und zu meinem Kopftuch:

Der Gedanke, dass wir gezwungen werden, ein Kopftuch zu tragen, ist auf jeden Fall falsch! In unsere Religion gibt es keinen Zwang, um irgendwas zu machen. Es gibt aber Fälle, in denen die Gesellschaft sich einmischt und das dann leider zu einem Missverständnis führt. So leiden sehr viele Menschen unter Zwang , das hat aber gar nichts mit unserer oder auch mit anderen Religionen zu tun. Wir tragen das Kopftuch als Zeichen unseres Glaubens an Allah und um unser Körper zu verdecken und schützen. 

Es wurde mir auch oft die Frage gestellt, wie das im Sommer ist, also ob das nicht warm für uns ist.

Es ist natürlich manchmal anstrengend, nur wie gesagt, wir ziehen das durch, weil wir genau wissen, dass das gut für uns ist. Außerdem gibt es luftige Kleidung und Kopftücher, die trotzdem unser Körper bedecken.

Wenn es ernsthafte Fragen sind, dann antworte ich gerne und spreche über mich und meinen Glauben, aber die Menschen, die mich und andere immer noch mit ihrer lustigen Art angucken und Fragen stellen und sie meine ehrliche Antwort darauf nicht wirklich interessieren, will ich sagen: Lasst es bitte, ihr wisst nicht, wie es uns sehr nervt und sogar verletzt. Ich erlebe ganz viel von diesen Beispielen in meinen Alltag und habe sogar manchmal auch keine Lust mehr auf Schul-Aktivitäten oder Unterricht deswegen. 

Danke für diesen mutigen Beitrag, Ghazal!

Zum Abschluss noch der Verweis auf ein schönes Video, das im Auftrag des Gütersloher Netzwerkes „Gütersloher Aktionswochen gegen Rassismus“ entstanden ist:

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