27. Januar 1945 – Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau

Am 27. Januar 1945 befreite die sowjetische Armee das größte von den Nationalsozialisten betriebene Konzentrations- und Vernichtungslager. “Nach der Errichtung des Lagers 1940 bis zu seiner Befreiung 1945 sind von mindestens 1.300.000 nach Auschwitz Deportierten etwa 900.000 direkt nach ihrer Ankunft in den Gaskammern ermordet oder erschossen worden. Etwa 200.000 weitere Häftlinge starben an Hunger und Krankheiten oder wurden nach kurzer Zeit in die Gaskammern geschickt.” (Quelle)

Der 27. Januar ist seit 2005 internationaler Holocaust-Gedenktag.

In dem folgenden Artikel schreiben die GeschichtslehrerInnen unserer Schule darüber, welche Gedanken sie umtreiben, wenn das Thema Holocaust auf dem Lehrplan steht. Außerdem ist Frau Peter mit interessanten Buch-Tipps zum Thema vertreten und es gibt einen Erfahrungsbericht einer Besucherin, die ihre Gefühle nach einem Besuch der heutigen Gedenkstätte Auschwitz auf ihrem Blog teilt.

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Der-Tag-Des: 24. November – Happy Birthday Abbé de l’Epée

Für den Der-Tag-Des Artikel im November haben wir einen Gastbeitrag erhalten, über den wir uns sehr freuen. Thomas schreibt über einen besonderen Mann: Abbé de l´Epée. Unbedingt lesenswert!

(von Thomas)

Am 24. November 1712 wurde Abbé Charles-Michel de l’Epée in Paris geboren. Er ist heute bekannt als der Gründer der ersten Gehörlosenschule der Welt. Doch wie kam es dazu?

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NICHT abgesagt: Sich erinnern und Flagge zeigen

Heute vor 82 Jahren brannten hier in Gütersloh jüdische Wohn- und Geschäftshäuser sowie die Synagoge, das Gotteshaus der Juden. Der Gedenkstein, der sich in der Daltropstraße, in der Nähe des ehemaligen Standorts der Synagoge, befindet, erinnert dauerhaft an diese schreckliche Nacht. Eigentlich treffen hier jedes Jahr Menschen zusammen, um gemeinsam zu gedenken und ein Zeichen zu setzen. Heute ist es anders, nicht weniger wichtig …

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10.09. – Der-Tag-Des

Suizid- Präventionstag  

Ihr kenn ja unsere Kategorie “Der-Tag-Des”, oder? Wenn nicht – hier kurz die Basics dazu:

Einmal im Moment sichten wir Gedenk-, Feier- oder Aktionstage, suchen uns einen aus und schreiben etwas dazu. Es sind mal lustige, mal lehrreiche, mal nachdenkliche Tage und dementsprechende Texte – so wie der heute hier. Es geht um den Suizid-Präventionstag, mit dem Liva sich beschäftigt hat.                                                                                                

Wie einige von euch vielleicht mitbekommen haben, ist diesen Monat der „Mental Health Awareness Month“. Auch wenn wir uns oft bemühen, über etwas Glückliches zu berichten, sind auch solche Themen wichtig. Aus diesem Grund haben wir uns für den „Suizid – Präventionstag“ entschieden, als wir überlegt haben, welchen „Tag-Des“ wir machen könnten.

In Deutschland sterben jedes Jahr ca 10.000 Menschen durch Suizid (Suizid bedeutet, das man sich selbst das Leben nimmt), das sind mehr als durch Verkehrsunfälle, Gewalttaten oder illegale Drogen. Um diesen Menschen zu gedenken, wurde von der Weltgesundheitsorganisation WHO zum ersten Mal im Jahr 2003 der Suizid-Präventionstag ausgerufen. 

Die größten Risikofaktoren sind akute Hilflosigkeit und Hoffnungslosigkeit, zunehmende Impulsivität und Aggressivität, vermehrter Rückzug und Abschottung, schwerwiegende Verluste und Veränderungen im Leben, psychische Erkrankungen (allem voran depressive Erkrankungen). Es gibt verschiedene Warnzeichen, die natürlich nicht alle, aber schon teilweise, bei suizidgefährdeten Menschen auftreten. In dem folgenden Link seht ihr eine genaue Aufzählung an Warnzeichen : https://psychische-hilfe.wien.gv.at/site/fakten/suizidpraevention/notfall-und-krisensituationen-soforthilfe/wie-erkennen-sie-dass-jemand-suizidgefaehrdet-ist/

Obwohl es sehr schwer ist, über solche Themen zu reden, ist es möglich und vor allem wichtig. Auch wenn man nie sicher helfen kann, gibt es doch eine Art Richtline mit Möglichkeiten. Der erste Schritt ist es, die betroffene Person auf ihre Probleme anzusprechen und zu fragen, ob sie suizidale Gedanken hat und warum. Direkt damit verbunden ist das Zuhören, damit die Person sich wahrgenommen und nicht übergangen fühlt. Der nächste Punkt wäre es, herauszufinden wann und wo der Suizidversuch stattfinden würde, um im Zweifelsfall Hilfe dorthin rufen zu können. Ein weiterer Schritt ist es, für die Person da zu sein. Dafür passen Telefonate und echte Gespräche, Hauptsache die Person erfährt Unterstützung durch dich oder auch andere, die eingeweiht wurden. Der letzte Schritt ist es, die Person mit Hilfestellen in Verbindung zu bringen, um ihr zu helfen, sich helfen zu lassen. Auch nach den Schritten solltet ihr am besten immer wieder fragen, wie es der Person geht und weiterhin ein Auge auf das Problem haben.

Wichtig ist: Wenn ihr nicht mit der Situation umgehen könnt, solltet auch ihr euch Hilfe suchen und nicht alles auf euch lasten lassen, selbst wenn ihr euch verantwortlich fühlt.

Eine der bekanntesten Hotlines ist die Telefonseelsorge, welche rund um die Uhr erreichbar ist:  0800 1110111.

Auch hier an der Schule gibt es Anlaufstellen: Herr Beckervordersandforth und Frau Heitmann sind ausgebildete Beratungspersonen, die ihr aufsuchen könnt und die euch unterstützen, wenn es euch selbst nicht gut geht, oder wenn ihr euch Sorgen um einen Freund/ eine Freundin macht.

Am Welttag der Suizidprävention könnt ihr übrigens eine Kerze ins Fenster stellen um die Suizidprävention zu stärken, durch Suizid Gestorbenen zu gedenken und als Zeichen des Mitgefühls für die Hinterbliebenen eines durch Suizid verstorbenen Menschen.

Bleibt gesund und habt ein Auge aufeinander!

Eure Blogger!

08.08. – Der-Tag-Des im August – Happiness Happens Day USA

In Amerika gibt es ja fast nichts, was es nicht gibt. Wenn sich unsere fleißigen Blog-Redakteure auf die Suche begeben, den monatlichen “Der-Tag-Des” zu nominieren (also Gedenk- und Feiertage kurioser oder ernsthafter Natur), dann stolpern sie immer wieder über die absonderlichsten Feiertage aus aller Welt – Vorreiter die USA. Bloggerin Liva kürt den “Happiness Happens Day”, den “Glücklichsein ist machbar Tag” zum ersten nennenswerten “Tag-Des” im neuen Schuljahr. Vielleicht führt er uns in diesen unsicheren Krisenzeiten vor Augen, dass Glücklichsein insbesondere auch von uns selbst anhängt, von unserer Einstellung zu den Dingen, von unserer Wahrnehmung, von unserer Wertschätzung der Sachen … Lest doch mal, was Liva über den Tag in Erfahrung gebracht hat!

08.08. – Tag des „Glücklichseins ist machbar“

Jeder Mensch will es irgendwann mal sein, oder ist es bereits: GLÜCKLICH. Erreichen kann man das auf kurze Zeit zum Beispiel durch einen Besuch bei Freunden oder einfach durch das Hören von Musik. Allgemeine Faktoren sind die familiäre Situation, die Geldlage und auch die mentale Gesundheit. Letztere kann durch viele Faktoren beeinflusst werden. Zum Beispiel Corona. 

Der Virus hat die mentale Gesundheit von vielen zurückgeworfen. In Österreich ist die depressive Symptomatik um das 4 bis 5-Fache gestiegen und auch Angst und Insomnie (Schlaflosigkeit) haben stark zugenommen. Allgemein kann man sagen, dass eine von außen angeordnete Isolation zu Depressionen, Angst, Wut, Schlaflosigkeit und sogar zu einer posttraumatischen Belastungsstörung führen kann, so schreiben Forscher des Kings College in London. Faktoren, die dazu führen sind unerwartet Lange Quarantänedauern, Frustration, Infektionsängste, Langeweile, nicht genug Informationszufuhr und Stigmatisierung. 

Die Therapeutin Aimee Falchuk hat auf einige Fragen zu dem Thema mit wertvollen Tipps geantwortet. Sie schreibt, dass man am besten mindestens einmal die Woche schaut, wie es den Freund*innen geht und auch allgemein sozialen Kontakt sucht, da Social distancing nicht social Isolation heißt. Außerdem sollte man sich ihrer Meinung nach daran gewöhnen, nicht über alles Kontrolle zu haben und auch nicht alles wissen zu müssen. 

Die Nachrichten drehen sich fast nur noch um das Thema, doch wenn dieses Angst und Stress steigert und man trotzdem Up-to-Date sein will, sollte man sich bewusst machen, dass es so ist und vielleicht nur ein bestimmtes Limit am Tag einhält, um sich diese Nachrichten anzusehen (z.B. nur die Tagesschau um 18 Uhr anstatt alle halbe Stunde auf verschiedenen Sendern).

Eine oft gestellte Frage war, wie man glücklich sein soll, wenn es doch gerade nichts Positives gibt. Die erste Antwort der Therapeutin war „Ist das denn wahr?“. Sie empfiehlt, sich auf die guten Sachen konzentrieren, anstatt die schlechten immer größer werden zu lassen. Ein leckeres Essen kann etwas Gutes sein, ein lustiges Telefonat mit Freundin oder dass das Lieblingscafé wieder geöffnet hat. 

Auch während Corona ist ja nicht nur Schlechtes gewesen oder entstanden. Wahrscheinlich kam es vielen von euch hart vor, aber gab es nicht auch schöne Momente, die sonst – also ohne Corona – vielleicht nicht entstanden wären? In der Redaktion haben wir mal unsere Glücksmomente zusammengestellt – zum Teil eben auch solche, die es ohne Corona nicht gegeben hätte, weil das Reiseziel ein anderes gewesen wäre, weil die Zeit dafür nicht gereicht hätte, weil es ohne Corona einfach “ganz normal” gewesen wäre …

Lieblingscafé – endlich wieder offen, Krise überstanden, Samstagmorgen wieder glücklich!
Eigentlich sollte es Italien werden – dann ging es in den Harz und es war traumhaft schön …
grandiose Aussicht aus dem Riesenrad in Köln – Glücksmoment mit einer Freundin erleben – unbezahlbar!
Mega Eis – mega Glücksgefühl!
Stralsund – Glücksmomente am Meer!
Wandern in Bayern …
… Natur so schön, dass sie bewegende Glücksgefühle auslösen kann!
Und immer wieder: die Schönheit und Faszination der Natur – vielleicht sollten wir endlich anfangen, ein besseres Auge darauf zu haben, denn sie macht glücklich!
Ohne Worte, oder?!

Was war es bei euch? Schreibt uns doch mal einen Kommentar zu folgendem Satz: Der Corona Zeit etwas Positives abgewinnen – das hat mich glücklich gemacht! Gerne dürft ihr uns per Mail auch ein Foto schicken von euren kleinen und großen Glücksmomenten (an rap@esg-guetersloh.de/ Wir würden diese gerne veröffentlichen!).

*Funfact: Rund 138 neue Studien zeigen: Lächeln macht den Menschen wenigstens eine Spur glücklicher! Also: Lächle und die Welt lächelt zurück!

*Außerdem: Wusstet ihr schon, das “Glück” auch als Schulfach unterrichtet wird (mittlerweile an über 200 Schulen in Deutschland)?! Als “Erfinder” dieses Unterrichtsfachs gilt der ehemalige Schuldirektor Ernst Fritz-Schubert (Heidelberg). Von ihm stammt auch dieses schöne Zitat: “Lehrer*Innen sollten nicht Fehlersucher sein, sondern Schatzsucher*Innen.” (https://www.deutschland.de/de/topic/wissen/glueck-als-schulfach-in-deutschland) Na dann, freuen wir uns darauf, dass wir das Glück haben, am Mittwoch wieder in die Schule gehen zu dürfen – mit all´ unseren Schätzen, die gefunden werden wollen!

Habt ein glückliches Wochenende – vielleicht mit ein paar Moves zum Sommerhit des Jahres 2020?!

https://www.spiegel.de/kultur/musik/sommerhit-2020-savage-love-von-jawsh-685-and-jason-derulo-a-ab042396-c774-4129-9e5a-54dbedcdbd63

Der Wunsch: Stereotype Vorstellungen von Männlichkeit und Weiblichkeit sollten verschwinden – Frau Milse im Blog-Interview

Am 8.3.2020 ist internationaler Weltfrauentag. Wir Blogger haben uns in unserer Rubrik “Der-Tag-Des” mit diesem Tag mal genauer beschäftigt und in zwei interessanten Interviews u.a. herausgefunden,

  • seit wann dieser Tag den Frauen gewidmet ist,
  • warum dieser Tag begangen wird,
  • wieso ein solcher Tag auch im Jahre 2020 noch seine Berechtigung hat
  • und weshalb dieser Tag nicht nur die Frauen etwas angeht.

Zunächst haben wir ein Interview mit einer Lehrerin des ESG geführt – mit Frau Tanja Milse.

Zunächst haben wir einige allgemeine Fragen zu Ihrer Person:

  • Wie lange sind Sie schon Lehrerin am ESG?

Schon sehr lange 🙂 Ich bin am ESG 1998 als Referendarin gestartet und geblieben

  • Was sind Ihre Fächer?

Deutsch, Wirtschaft/Politik und Pädagogik

  • Welche Bereiche obliegen noch Ihrer Verantwortung? 

Ich bin für die Didaktische Koordination am ESG zuständig. Das bedeutet, dass unsere Schulentwicklungsprozesse miteinander verzahnt, einzelne Bereiche evaluiert und dann ggf. angepasst werden, dass die Schulentwicklungsmaßnahmen nachhaltig umgesetzt und soweit es nötig bzw. wünschenswert ist, vereinheitlicht werden, um Verlässlichkeit für alle ESGler*innen zu schaffen.

  • Wollten Sie immer schon Lehrerin werden?

Ich hatte als Schülerin ein sehr schwieriges Verhältnis zur Schule, daher nein. Mein Interesse ist erst im Rahmen eines Schulpraktikums entfacht worden.

  • Hätte es einen alternativen Berufswunsch gegeben?

Als Schülerin wollte ich gerne Jura studieren und dann Politikerin werden.

Dann möchten wir Ihnen gerne ein paar Fragen im Zusammenhang mit dem Weltfrauentag stellen:

  • Finden Sie einen Tag wie den Weltfrauentag heute noch wichtig und notwendig? 

Auf jeden Fall. Es muss ihn so lange geben, bis Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern eine Selbstverständlichkeit ist. Momentan gibt es ja auch viele rückwärts gerichtete Entwicklungen.

  • Wenn ja, in einigen Bundesländern ist dies ein Feiertag, würden Sie das auch für NRW befürworten?

Ich finde, es sollte eher einen Tag geben, der generell Gleichberechtigungsbestrebungen gewidmet ist. Das schließt alle Menschen mit ein. Ziel muss es doch sein, die Würde, Freiheit und Gleichheit eines jeden Individuums anzuerkennen. 

  • Es gibt Menschen, die den Weltfrauentag böswillig als „feministisch überzogen“ ansehen und Menschen, die diesen Tag begehen, abwertend als „Emanzen“ betiteln. Könnten Sie uns die Begriffe „Feminismus“ und „Emanzipation“ einmal definieren? Und im Anschluss vielleicht auf solche Äußerungen reagieren?

Bei Emanzipation handelt es sich im Wesentlichen um die Herauslösung aus Unmündigkeit. Das bedeutet, dass Menschen zum Subjekt ihrer Identitätsgestaltung werden, basierend auf reflektierten, eigenen Wertvorstellungen, die natürlich auch gesellschaftliche Anforderungen mit einbeziehen, aber eben nicht ausschließlich dadurch bestimmt sind, was andere von einem erwarten, wie Eltern, Lehrkräfte, die eigenen Gruppen, in denen man sich bewegt usw.

Feminismus bezieht sich darauf, dass bestehende Geschlechterordnungen kritisch überprüft und im Hinblick auf Gleichberechtigung und Selbstbestimmung weiterentwickelt werden.

Das ist schon interessant, wenn Menschen derartige Bestrebungen abwerten und hat viel mit ihrer eigenen Persönlichkeitsstruktur zu tun.  Ich schiebe mal einen Werbeblog für das Unterrichtsfach Pädagogik ein; dort ist zu lernen, warum Menschen derartige Abwehrreaktionen zeigen oder es „nötig“ haben, andere Personen und offene Haltungen zu verunglimpfen. Es geht ja gerade nicht darum, einer bestimmten sozialen Gruppe, wie Männern, etwas wegzunehmen, sondern der oder dem einzelnen zu ermöglichen, sich frei von Rollenklischees zu entfalten und nach persönlichen Fähigkeiten und Vorlieben zu leben und die Gemeinschaft konstruktiv weiterzuentwickeln.

  • Wir Blogger haben in den letzten Wochen immer mal wieder rumgefragt und uns umgehört unter Ihren Kollegen, welche Frauen als “irgendwie besonders” empfunden werden, vielleicht als Vorbild oder einfach nur als “inspirierend” – Welcher Name kommt Ihnen da in den Sinn?

Oh, ganz viele: Angefangen bei Astrid Lindgren, die mit Pippi so eine starke, unabhängige Figur für viele Kinder geschaffen hat. Luise F. Pusch (obwohl sie Städterin war 🙂 ) und deren Nichte ich mal unterrichten durfte. Sie hat eine riesige Datenbank FemBio erstellt, die die Biographien von Frauen sichtbar macht, die in keinem Geschichtsbuch jemals vorkamen. Auch Alice Schwarzer, wenngleich sie sicherlich in Bezug auf ihre Person nicht ganz unkritisch zu sehen ist, so hat sie u.a. mit ihrer Zeitschrift EMMA dafür gesorgt, die Belange von Frauen immer wieder sichtbar zu machen und weitsichtig Probleme, wie Männergewalt, Extremismus und Sexismus zu benennen. Das waren oder sind in den meisten Mainstreammedien überhaupt keine Themen. Ich schätze Dunja Hayali, die trotz persönlicher Anfeindungen und shit storms, immer wieder gegen Diskriminierung und Rassismus eintritt, Carolin Kebekus, extrem witzig und gnadenlos böse, und nicht zuletzt, unabhängig von Parteipositionen, unsere Bundeskanzlerin, die sehr uneitel eine zumeist sehr sachorientierte Politik macht und sich zunehmend mit Blick auf ethische Prinzipien positioniert, auch wenn sie unbequem sind.

  • Sie haben den Blog den Anfangszeiten mal angeschrieben und darauf verwiesen, dass es wichtig sei, Artikel “gendergerecht” zu verfassen. Können Sie einmal erklären, was das ist und uns erläutern, warum Sie das so wichtig finden? 

Letztendlich geht es um geschlechterbewussten Sprachgebrauch, durch den eben alle Geschlechter und somit auch die Gleichstellung zwischen ihnen abgebildet wird. Dies kann durch Doppelnennungen oder durch geschlechtsneutrale Formulierungen, wie Lehrkräfte, erfolgen. Sprache hat eine ungeheure Macht, in dem sie in unseren Köpfen Bewusstsein schafft und Bilder erzeugt. Diese bleiben im Gedächtnis und prägen unsere Denkmuster. Wenn ich also nur rein männliche Formen für beide Geschlechter verwende, sind Mädchen und Frauen eben „nur“ mitgemeint. Das ist eine Bewertung, fühlt sich auch so an und kann sich letztendlich auf das Selbstverständnis auswirken. Untersuchungen zeigen zudem, dass Mädchen und Frauen sowie andere Geschlechter sich z.B. bei Stellenangeboten gar nicht erst adressiert fühlen. 

  • Was meinen Sie: Sollten die Schulbücher gendern?

 Auf jeden Fall!

  • Sollte das Thema im Unterricht aufgegriffen und behandelt werden?

Ja. Es ist aber auch z. B. in Deutsch-Lehrplänen bereits vorgesehen, wie im Rahmen der Jahrgangsstufe 9 im Zusammenhang mit Sprachwandel.

  • Sollte es Ihrer Meinung nach einen Welt-Männertag geben? 

Die Trumps, Putins, Erdoğans dieser Welt feiern sich doch schon täglich selber. 

  • Wie ist es eigentlich dazu gekommen, dass Sie sich mit diesem Thema näher beschäftigt haben? 

Ich hatte in meinem Studium sehr gute Professorinnen, die über patriarchale Strukturen aufgeklärt und sich für deren Überwindung eingesetzt haben. Das hat mein damaliges Weltbild nachhaltig verändert.

  • Haben Sie schon mal Ungerechtigkeiten oder Nachteile erlebt, weil Sie eine Frau sind? 

Nicht, dass es mir bewusst wäre.  

  • Letzte Woche haben wir nach der Meinung der Schüler zu phasenweise geschlechtergetrenntem Unterricht gefragt. Was ist Ihre Meinung dazu?

Das ist nicht ganz einfach zu beantworten. Eigentlich finde ich es problematisch, wenn die Unterschiede zwischen Geschlechtern betont werden, weil sie dadurch eine viel größere Bedeutung bekommen, obwohl sie in Relation zu den Gemeinsamkeiten erheblich geringer sind. Viele Studien zeigen aber, dass gemeinsamer Unterricht von Mädchen und Jungen, die sogenannte Koedukation, die Gefahr birgt, dass Jugendliche sich eher traditionellen Geschlechterrollen anpassen. Mädchen fühlen z.B. größere Unsicherheiten, wenn es um Fächer wie Informatik, Mathe oder Physik geht, was nicht so ist, wenn sie an reinen Mädchenschulen unterrichtet werden.  Jungen geben sich in gemischtgeschlechtlichen Lerngruppen betont cool und grenzen sich gegenüber klischeehaft nicht männlich zugeordneten Inhalten oder Eigenschaften ab.

Das äußert sich beispielsweise auch am ESG, wenn wir uns das Fächerwahlverhalten in der Oberstufe anschauen – so gibt es z.B. in meinem Pädagogik Lk nur einen männlichen Schüler. 

Statt aber Geschlechter im Unterricht zu trennen, gibt es die Idee der sogenannten reflexiven Koedukation, des geschlechtersensiblen Unterrichts, in dem Mädchen und Jungen spezifisch gefördert werden, in dem Bewusstsein, dass sie möglicherweise unterschiedliche Erfahrungen, Verhaltensweisen und Einstellungen mitbringen. Geschlechterstereotype Rollenzuweisungen beginnen bereits in manchen Elternhäusern und wir werden insbesondere in Medien damit dominiert.

Das ESG hat als einen Schulentwicklungsschwerpunkt „Personalisierung“ gesetzt, die darauf abzielt, im Unterricht die individuellen Bedürfnisse der Lernenden zu berücksichtigen. Weg von frontalen Unterrichtsszenarien orientiert an der ganzen Klasse, hin zu individualisierten Lernwegen. Personalisierung beinhaltet auch die Unterschiedlichkeit der Personen wertzuschätzen. Damit verliert die Trennung von Jungen und Mädchen im Unterricht an Notwendigkeit.

12. Was wäre ihr Wunsch für die Zukunft in Bezug auf das Thema Gleichberechtigung? Vielleicht mal eine Schulleiterin am ESG – das hat es auch noch nicht gegeben … 

Mein Wunsch wäre es, neben der Beseitigung struktureller Ungleichheiten, wie Unterschiede in der Bezahlung bei vergleichbaren Tätigkeiten oder den Zugangschancen zu Führungspositionen, dass stereotype Vorstellungen von Weiblichkeit und Männlichkeit an Bedeutung verlieren und verschwinden. Menschen sollen sich stattdessen mit ihren individuellen Facetten und Kompetenzen wahrnehmen. Wenn diese dann den hohen ESG Schulleitungsanforderungen gerecht werden, darf es gerne auch eine Schulleiterin sein 🙂 .

Wir bedanken uns für dieses ausführliche und sehr informative Interview, aus dem wir viel mitnehmen rund um das Thema “Weltfrauentag”.

Die Stadt Gütersloh beschäftigt übrigens eine Frauenbeauftragte – wir haben uns gefragt, was die wohl so macht und wie der Weltfrauentag von einer Frauenbeauftragten so gewürdigt und gefeiert wird. STAY TUNED – auch dieses Interview werden wir im Laufe der Woche hier veröffentlichen!