Neues vom Beratungsblogger

Von Angst und Ängsten Teil II –
oder: vom Umgang mit Säbelzahntigern und Klassenarbeiten

Beginnen müssen wir eigentlich mit dem Lob der Angst. Denn sie hat die wichtige Aufgabe, uns vor Ge­fahren zu warnen, uns zu schützen und uns am Leben zu erhalten. So wussten unsere Vorfahren, dass sie sich besser aus dem Staube machten, wenn der Säbelzahntiger um die Ecke kam…

Der älteste Teil unseres Gehirns – das sogenannte Reptiliengehirn – reagiert bei Gefahr blitzschnell und wir haben genau drei Muster, mit denen wir reagieren: FIGHT, FLIGHT oder FREEZE.

Anhand des Säbelzahntigers kann man das gut veranschaulichen: Wenn der Bursche nicht son­der­lich kräftig erscheint und man vielleicht einen guten Knüppel dabeihat, könnte man durchaus den Kampf aufnehmen (FIGHT). Wahrscheinlicher ist aber wohl, dass das Tier kräftig ist und die Flucht das Mittel der Wahl ist (FLIGHT). Wenn weder Kampf noch Flucht möglich erscheinen, bleibt noch die Option der Erstarrung oder des Totstellreflexes (FREEZE), um als Tigermahlzeit möglichst unin­teres­sant zu sein.

In jedem Fall fährt der Körper alle Aggregate auf Hochtouren und aktiviert ein Höchstmaß an Energie – schließlich geht es um Leben und Tod: Der Puls be­schleunigt sich und das Herz klopft kräftig. Die Schweißdrüsen sorgen für feuchte Hände oder einen Schweißausbruch. Die Muskeln spannen an oder zittern. Der Magen- und Darmbereich fühlt sich flau an oder dir Blase drückt, da im schlimmsten Fall Ballast loszuwerden ist. Das Gesicht wird ent­weder rot oder blass, der Mund trocken …

Diese Reaktionsmuster fährt unser Gehirn auch heute noch ab, wenn wir Situationen ausgesetzt sind, die uns bedrohlich erscheinen. Und zu solchen Säbelzahntiger-Situationen gehören für nicht wenige Menschen Prüfungs- und Bewertungssituationen.

Allerdings unterscheiden wir uns darin, wie sehr uns diese Begleiterscheinungen zu schaffen machen. Manche fühlen sich vor einer Klassenarbeit etwas hibbelig-kribbelig oder angespannt, an­de­re haben regelrecht „Schiss“ und Magen und Darm reagieren heftig oder es zeigen sich andere starke körperliche Symptome.

Nun ist es bei Prüfungen und Klassenarbeiten so, dass man auf Dauer weder abhauen noch sich tot­­­stellen kann. Als bleibt letztendlich nur die Möglichkeit, sich der Situation zu stellen – also die Option FIGHT – oder etwas anders formuliert das FACE IT, nämlich sich der Situation zu stellen.

Wenn jemand von sich sagt, dass er oder sie Prüfungsangst hat, ist es schon einmal total hilfreich zu wissen, warum sich der Körper in diesen Situationen so „komisch“ anfühlt und man die Körper­reak­tio­nen einordnen kann. Schließlich sollten sie den Menschen ursprünglich vor Säbelzahntigern und anderen Gefahren schützen.

Blöderweise können diese Reaktionen bei Klassenarbeiten oder Prüfungen sehr stören, indem sie die Konzentration einschränken, für ziemliches Unwohlsein sorgen oder manchmal auch zu einem Black­out führen.

Die gute Nachricht: Es gibt viele Möglichkeiten und Strategien, daran zu arbeiten und die Symptome zu lindern. Manchmal ist nur die Optimierung der Lern- und Vorbereitungsstrategien erforderlich, manch­­mal helfen Atem- und Entspannungstechniken zum Stressabbau oder stärkende Men­tal­tech­niken. In manchen Fällen kann einer Prüfungsangst auch eine Angststörung zugrunde liegen, die von qua­lifizierten Therapeut*innen behandelt werden kann.

Wenn du das Gefühl hast, mit einer bestimmten Angst oder Ängsten, nicht so einfach klar­­­zu­kommen, braucht es möglicherweise fachkundige Unterstützung. Das Beratungs­team kann dir dabei weiterhelfen, entsprechende Hilfe zu finden.

Und wie sieht es aus mit Lampenfieber bei Referaten oder Redeangst? Dazu beim nächsten Mal mehr!

Tobias Beckervordersandforth, Beratungslehrer und Coach (DGfC)

„Ihr Standort wird berechnet“ – oder: wie die Navigation durch das Schuljahr gelingen kann

Da heutzutage die meisten Menschen ein Smartphone haben, scheint es so gut wie unmöglich, ver­loren zu gehen oder sich zu verirren. Schließlich hat man ja mindestens ein bis zwei Navigations-Apps auf dem Gerät. Damit vernachlässigen wir allerdings auch das Training unseres inneren, geo­gra­­phischen Orientierungs­sinnes, der zumindest mit Karte und Kompass noch gut weiterkäme.

Mir scheint, dass auch unser „Lebens“-Orientierungssinn immer wieder gepflegt und trainiert wer­den muss, um den richtigen Weg durch das Leben zu finden.

Wie man auf einer Wanderung immer mal wieder anhält, um zu schauen, wo genau man ist und wie der Weg weiter verläuft, so bietet auch die Schule solche „Anhalte“- und Orientierungspunkte. Gerade liegen die Sprechtage für Euch und Eure Eltern hinter uns. Sicherlich habt Ihr in Euren Ge­sprä­chen geschaut, wo und wie Ihr steht und was für den weiteren Weg durch das Schuljahr wichtig ist.

Aber nicht nur an den Sprechtagen ist es wichtig, insbesondere auf die eigenen Stärken und Ressour­cen zu schauen – ob sie nun das schulische oder außerschulische Leben betreffen. Im nächsten Schritt geht es dann aber auch an die Entwicklungsfelder: Welche Fächer oder Kompetenzen sind Felder, die noch oder noch intensiver beackert werden müssen?

Dazu ist es hilfreich, gut zu planen, um sich nicht zu überfordern.
Wo fange ich an?
Was will ich bis wann in Angriff nehmen?
Sind die gesetzten Ziele realistisch?
Wer kann mich unterstützen?

Es kann eine gute Hilfe sein, sich dazu tatsächlich einen großen Bogen Papier zu nehmen, und sich seine per­sönliche Planungskarte zu gestalten. Auf keinen Fall fehlen dürfen darauf Eure Kraft- und Mo­ti­va­tions­quellen – die Dinge, die Ihr gut könnt und die Euch auf dem Weg anspornen und er­mu­tigen. Genauso wichtig ist das Einzeichnen der Pausen- und Erholungspunkte. Vielleicht findet Ihr für den gesamten Weg auch ein motivierendes Symbol (Bild, Figur, etc.) oder Logo – so etwas wirkt direkt über unser Unterbewusstsein auf die Motivation.

Eure Klassen- und Fachlehrer*innen werden Euch bei der Navigation unterstützen, mit Euch auf Eure (Schuljahres-)Landkarte schauen und Euch helfen, dass Ihr Euren schulischen Orientie­rungs­sinn gut schulen könnt.

Solltet Ihr darüber hinaus Unterstützung benötigen, weil gerade durch persönliche oder schulische Probleme ein Hindernis im Weg liegt oder das Dickicht so dicht ist, dass der weitere Weg nicht zu erkennen ist, stehen wir Euch auch als Beratungsteam wie gewohnt gerne zur Seite.

Tobias Beckervordersandforth, Beratungslehrer und Coach (DGfC)

Neues vom Beratungsblogger – Von Angst und Ängsten Teil I

Die Tür durch die Angst – oder: an Ängsten wachsen

Der Kinderbuchautor Paul Maar erzählt, wie er als Junge auf dem Dachboden seiner Großeltern eine un­­­heim­liche alte Tür entdeckt. Die Tür, die durch herumstehende alte Möbel und Spinnenweben fast den Blicken entzogen ist, macht ihm Angst und bereitet ihm Alpträume. Auf die Frage, wohin denn diese Türe führe, antwortet der Großvater „Nirgendwohin“. Trotzdem macht sie ihm Angst und er malt sich aus, was für Gefahren hinter ihr wohl lauern mögen.

Der Großvater kennt nur ein Rezept, diese Angst zu überwinden: Paul muss die Tür öffnen. Mit Schweiß auf der Stirn, trockenem Mund und zitternden Händen steht er vor der Tür und bittet schließ­­lich seinen Großvater, doch für ihn die Tür zu öffnen. Dieser jedoch antwortet: „Du musst es selbst tun, dann wirst du nie wieder Angst haben.“ Schließlich fasst Paul sich ein Herz und öffnet die Tür mit einem Ruck. Dahinter: Nichts als eine rote Backsteinmauer. Früher hatte es eine Verbindung zum Nachbarhaus gegeben, die später zugemauert worden war. Das Wichtige aber: Paul hatte es geschafft, durch die Angst zu gehen.

Auch als Erwachsener habe er immer wieder Angst gehabt, berichtet Paul Maar, aber das Rezept seines Großvaters, durch die Angst zu gehen, hat ihm immer wieder geholfen.

Es gibt Situationen, denen wir aus Angst lieber aus dem Wege gehen. Und je mehr wir das tun, je mehr wir diese Situationen meiden, um so mehr kann die Angst wachsen und größer werden. Da kann tatsächlich das Rezept helfen, durch die Angst zu gehen. Und hinterher fühlt man sich besser, weil man es geschafft hast! Psycholog*innen nennen das auch die Erfahrung von Selbstwirksamkeit.

Der Großvater ist sehr klug. Hätte er seinem Enkel die Aufgabe abgenommen, hätte dieser nicht die Er­fahrung machen können, durch die Angst zu gehen und sich hinterher das großartige Gefühl zu haben, es selber geschafft zu haben. Was der Großvater aber tut, ist, seinen Enkel zu ermutigen. Er glaubt an ihn und zeigt ihm, dass er die Kraft und Stärke in sich trägt, es zu schaffen. 

Für viele kleinere und größere angstmachende Situationen ist der Weg durch die Angst das einzige Mit­­tel, wenn man sie überwinden will. Dazu brauchen wir aber Menschen, die an uns glauben und uns unsere Stärken und Ressourcen bewusst machen: Eltern, Verwandte, Freund*innen, Leh­rer*innen, Berater*innen oder Therapeut*innen.

I learned that courage was not the absence of fear, but the triumph over it.The brave man is not he who does not feel afraid, but he who conquers that fear.

Ich habe gelernt, dass Mut nicht die Abwesenheit von Furcht ist, sondern der Triumph über sie.Der mutige Mensch ist nicht der, der keine Angst hat, sondern der, der die Furcht besiegt.

Nelson Mandela (1918-2013; südafrikanischer Bürgerrechtler und Politiker)

Wenn du das Gefühl hast, mit einer bestimmten Angst oder Ängsten, nicht so einfach klar­­­zu­kommen, braucht es möglicherweise fachkundige Unterstützung. Das Beratungs­team kann dir dabei weiterhelfen, entsprechende Hilfe zu finden. Dazu beim nächsten Mal mehr!

Tobias Beckervordersandforth, Beratungslehrer und Coach (DGfC)

Neues vom Beratungsblogger

Von Zeugnissen, Pinguinen in der Steppe und Giraffen im Polareis

Der Arzt, Kabarettist und Moderator Eckart von Hirschhausen erzählt, wie er auf einer Reise in einem norwegischen Zoo einen Pinguin beobachtet. Er hat Mitleid mit dem Pinguin, der mit seinem schwarzen Frack etwas unbeholfen und verloren wirkt auf seinem Felsen. Keine Taille, keine Knie – eine Fehlkonstruktion.

Doch dann springt der Pinguin ins Becken und saust blitzschnell und geschmeidig durch das Wasser, so dass einem nichts mehr einfällt. Der Pinguin ist in seinem Element! Er ist zehnmal windschnittiger als ein Porsche und würde mit einem Liter Benzin umgerechnet 2500 km zurücklegen können. Zudem können Pinguine hervorragend jagen.

Von Hirschhausen sieht ein, dass er zu schnell geurteilt hat und völlig daneben lag. Es hängt vom Umfeld ab, ob man das, was man gut kann, auch zum Tragen kommt. Er schreibt:

„Wir alle haben unsere Stärken, haben unsere Schwächen. Viele strengen sich ewig an, Macken aus­zu­bügeln. Verbessert man seine Schwächen, wird man maximal mittelmäßig. Stärkt man seine Stär­ken, wird man einzigartig. Und wer nicht so ist, wie die anderen sei getrost: Andere gibt es schon genug!“

Dabei ist es wichtig, als Pinguin nicht eine Giraffe werden zu wollen und umgekehrt. Von Hirschhausen schreibt weiter:

„Bleib als Pinguin nicht in der Steppe. Mach kleine Schritte und finde dein Wasser. Und dann: Spring! Und schwimm! Und du wirst wissen, wie es ist, in Deinem Element zu sein.“

Auf die eigene Entwicklung und den Lebensweg hin betrachtet, ein toller Gedanke! Aberin der Schule und auch im Leben an sich gibt es Fächer, Themenbereiche und Situationen, wo man gefühlt als Pinguin durch die Steppe wackelt oder als Giraffe über das Polareis schlittert. Vor allem dann, wenn sich diese Bereiche als nicht mehr ausreichende Leistungen auf dem Zeugnis niederschlagen. Dann ist es wichtig zu wissen, dass jede Schülerin und jeder Schüler in einer solchen Situation genauso wie jeder Pinguin in der Steppe und jede Giraffe in der Wüste Hilfe und Unterstützung brauchen.

Eure Fach- und Klassenlehrer*innen werden Euch beraten und unterstützen. Wenn persönliche Sorgen oder Lernschwierigkeiten eine Rolle spielen, können auch die Beratungslehrer*innen mit von der Partie sein. Und Eure Eltern hoffentlich sowieso. Aber manchmal kann auch das schwierig sein. Daher gibt es für den Fall der Fälle die Nummer gegen Kummer, die Ihr auch in den Ferien erreichen könnt.

Und auf jeden Fall erinnern Euch Giraffe und Pinguin, dass jede und jeder seine unverwechselbaren Stärken und Fähigkeiten hat, die kein Zeugnis der Welt erfassen kann…

Für das ESGBeratungsteam:

Tobias Beckervordersandforth (BVS), Beratungslehrer und Coach (DGfC)

I see you seeing me seeing you – oder: anonyme Beratung

NEUES VOM BERATUNGSBLOGGER

I see you seeing me seeing you – unsere Beratung in der Schule ist auf Face-to-face-Kommunikation, also das persönliche Gespräch, angelegt. Wir machen die Erfahrung, dass viele Probleme, mit denen Schüler*innen zu uns in die Beratung kommen, schon allein dadurch etwas leichter werden, dass sie erfahren, dass jemand zugehört hat und sie spüren, dass sie nicht allein sind.

Es ist das Normalste und Selbstverständlichste auf der Welt, dass Menschen sich beraten lassen. Wenn man aber in die Beratung kommt, braucht man die Gewissheit, dass alles vertraulich und diskret behandelt wird. Häufig möchte man auch nicht, dass Mitschüler*innen oder andere Personen mitbekommen, dass man in die Beratung geht. Daher legen wir sehr viel Wert auf Diskretion und Vertraulichkeit.
Es gibt eine Reihe von Anliegen, bei denen man sich erstmal überwinden muss, bis man den Schritt in die Beratung wagt. Und hinterher ist man erleichtert, wenn sich ein Lösungsweg auftut.

In manchen Fällen gibt es aber vielleicht persönliche Gründe, warum man lieber anonym bleiben möchte. Besonders bei schambesetzten Themen wie sexuellem Missbrauch kann das eine große Rolle spielen.
Eine anonyme Beratung können wir als schulische Beratungslehrer*innen aus verschiedenen Gründen nicht leisten. Aber es gibt eine Reihe von Stellen, wo speziell ausgebildete Berater*innen online oder per Telefon eine anonyme Beratung anbieten. Dazu findet Ihr hier eine Auswahl verschiedener Angebote:

www.caritas.de/hilfeundberatung/onlineberatung/kinderjugendelternfamilie/
www.bke-beratung.de
www.nummergegenkummer.de
www.telefonseelsorge.de
www.jugendnotmail.de

Hier findet ihr eine Übersicht verschiedener themenbezogener Angebote:
http://www.u25-beratung.de/alternativen.htm

Bei sexualisierter Gewalt gegen Mädchen und Frauen ist dies eine sehr gute Adresse:
https://www.wildwasser-frauennotruf.de/online-beratung/

Für das ESG-Beratungsteam:

Tobias Beckervordersandforth (BVS), Beratungslehrer und Coach (DGfC)

„Bitte nicht helfen! Es ist auch so schon schwer genug!“ – oder: von der Stärke, sich Hilfe zu holen

Neues vom Beratungsblogger

Manchmal ist es super leicht, um Hilfe zu bitten. Meistens dann, wenn es um Kleinigkeiten geht.
Manchmal traut man sich aber auch nicht, um Hilfe zu bitten.
Weil man denkt, dass etwas soooo peinlich ist, dass man es niemandem erzählen kann.
Weil man denkt, etwas ist ja doch gar nicht so schlimm.
Weil man meint, um Hilfe zu bitten, zeigt die eigene Schwäche.
Oder: Weil man Bedenken hat, die Beratungslehrer*innen zu fragen, weil man sie vielleicht auch mal im Unterricht bekommt.

Was sagen wir als Berater in der Schule dazu? Und: Was sagen Schüler*innen dazu, die zu uns in die Beratung kommen?
Als Beratungslehrer sind wir häufig auch Krisenmanager, aber die Anliegen, bei denen wir helfen reichen von den relativ kleinen bis zu den ganz und richtig großen Sorgen. Mal kommen Schüler*innen wegen eines kleinen Problems oder Konflikts, ein anderes Mal wegen Ängsten oder Mobbing. In einem Fall geht es um schulische Leistungen, in einem anderen um eine Mitschülerin, die plötzlich kaum noch isst. Woanders ist es zu Hause gerade total belastend, weil es Streit gibt oder die Eltern sich getrennt haben. Jemand ist Gewalt oder Missbrauch ausgesetzt. Jemand muss mit der schweren Krankheit oder dem Tod eines nahestehenden Menschen fertig werden. Jemand hat Angst, zur Schule zu gehen. Jemand fühlt sich ständig antriebslos und deprimiert oder sieht aus einer schwierigen Situation keinen Ausweg mehr.
Für diese und viele andere Anliegen, die an uns herangetragen werden, haben wir uns durch verschiedene, intensive Zusatzausbildungen qualifiziert. Sollte es erforderlich sein, unterstützen wir auch dabei, geeignete Profis außerhalb der Schule zu finden.
Auf dem Lebensweg brauchen wir – egal wie alt wir sind – immer wieder Menschen, die uns unterstützen und beraten. Für viele Menschen ist es heute selbstverständlich, Beratung, Coaching oder Therapie in Anspruch zu nehmen, um Probleme zu lösen und ihr Leben gut gestalten zu können. Wenn man in der Schule in die Beratung geht, hat man sich also nicht als „Psycho“ qualifiziert, sondern man zeigt, dass man über eine ganz wichtige Stärke und Ressource verfügt: Die Stärke, gut für sich sorgen zu können und sich Unterstützung zu suchen.
Häufig kommen Schüler*innen zu uns in die Beratung, die uns auch als Lehrer im Unterricht haben oder hatten. Sie finden, dass das eher eine Erleichterung als ein Hindernis ist – weil man sich eben schon kennt. Und wenn man bei uns in der Beratung war und uns später vielleicht als Fachlehrer bekommt? Eine Schülerin sagte mir neulich dazu: „Es ist sogar ein Vorteil, weil man viel besser verstanden wird und sich besser aufgehoben fühlt. Ich habe das Gefühl, mit meinen Problemen nicht alleine zu sein.“
Für diejenigen, die uns erst in der Beratung kennenlernen, ist es vielleicht so, wie wenn man zu einem neuen Arzt geht: Man muss erstmal schauen und Vertrauen aufbauen.
Es kommt manchmal vor, dass jemand auf Anraten der Eltern, der Klassenlehrer oder Fachlehrer zu uns in die Beratung „geschickt“ wird. Häufig ist so ein erstes Gespräch sehr hilfreich, um der Lösung eines Problems näher zu kommen. Eine weitere Beratung wird aber nur dann stattfinden, wenn man damit einverstanden ist. Beratung kann nur dann etwas bewegen und zum Besseren verändern, wenn sie freiwillig ist.
Gelegentlich hört man im Beratungsraum A2B die Steine der Erleichterung poltern, die jemandem vom Herzen fallen, wenn sie oder er den Mut zum ersten Schritt gehabt hat und zu uns in die Beratung gekommen ist. Das ist ein Polten, dass ich sehr gerne höre, weil es das Signal ist, dass sich für jemanden ein neuer Weg auftut…

Für das Beratungsteam:
Tobias Beckervordersandforth (Herr BVS), Beratungslehrer  Coach (DGfC)

PS. Und wenn ich trotz allem mit einem Anliegen lieber anonym und unerkannt bleiben möchte? – Dazu beim nächsten Mal mehr!

*Nachtrag Blog-Team: #mitgelesen am 4.2.2019

Wenn wir heute mit Bestürzung in der Zeitung von dem Suizid einer 11-jährigen Schülerin in Berlin lesen, dann sind wir einmal mehr wieder froh um unsere Beratungsstelle an der Schule. Wir freuen uns, dass wir Frau Heitmann und Herrn BVS für regelmäßige Blog-Beiträge zu verschiedensten Themen gewinnen konnten!

Passt auf euch auf!

Die Blogger!

Ratschläge sind auch Schläge – oder: was ist eigentlich Beratung?

Sicher kennt Ihr die Redensart „Ratschläge sind auch Schläge“. Es gibt die Arten von Ratschlägen, die einem besserwisserisch um die Ohren gehauen werden und einen nicht weiterbringen. Oder die Ratschläge der Art „Ich weiß genau, was richtig für Dich ist“ – die gehen Kindern und Jugendlichen ge¬nauso auf den Keks wie Erwachsenen.
Damit hat unsere Beratung in der Schule nun rein gar nichts zu tun. Sicherlich können wir an der ein oder anderen Stelle einen guten Rat geben, der Euch in einer bestimmten Sache weiterhilft, aber uns kommt es darauf an, Euch bei der Findung Eurer Lösung für ein bestimmtes Problem zu begleiten und zu unterstützen.
Es ist spannend, dass das Wort Beratung ursprünglich nicht nur die Bedeutung „beraten“ hatte, sondern in seinem Wortursprung auch so viel wie „sorgen für, sich kümmern um“ meint. Und das ist uns bei unserer Beratungsarbeit total wichtig: dass wir einen Weg gemeinsam mit Euch gehen und Euch dabei zur Seite stehen – bis das Hindernis überwunden und eine Lösung gefunden ist.
Als Beratungslehrer sind wir zwar gleichzeitig Lehrer, aber als Berater legen wir den „Lehrerhut“ zur Seite und sind ganz als Berater für Euch da. Da wir an die Verschwiegenheitspflicht gebunden sind, gibt es einen Schutzraum innerhalb der Schule, der somit gleichzeitig ein „Datenschutzraum“ für Euch ist, um das loszuwerden, was Euch Sorgen bereitet.
Dass wir auch Lehrer sind, hat den Vorteil, dass viele Schülerinnen und Schüler uns bereits kennen und wir sie. Aber wir wissen, dass es häufig auch eine Herausforderung ist, mit einem sehr persön¬lich¬en Problem zu einem Berater zu gehen, der gleichzeitig auch Lehrer ist. Aber dazu beim nächsten Mal mehr…

Für das Beratungsteam:
Tobias Beckervordersandforth, Beratungslehrer – Coach (DGfC)

Anmerk. der Redaktion:
Dazu mehr beim nächsten Mal – was meint denn Herr BVS damit?!
In regelmäßigen Abständen werdet ihr hier auf dem Blog nun „Post aus der Beratungsstelle“ finden. Initiiert wurde das Ganze in einer der letzten Blog-Redaktionssitzungen, in der wir darüber gesprochen haben, wie wichtig diese Anlaufstelle an unserer Schule ist. Die regelmäßigen Beiträge sollen dazu beitragen, euch besser über die Tätigkeiten der Beratung zu informieren und euch auch zu motivieren, dieses Angebot anzunehmen.