Tag 12 – ESG@Home

Endspurt – fast geschafft – die Ferien stehen vor der Tür (*auch wenn sich die Vorfreude darauf in diesem Jahr irgendwie anders anfühlt…sie ist da!!!).

Heute gewähren uns die Bloggerinnen Liva (EF) und Paula (Klasse 6), aber auch Herr Reitz und Frau Kämpken persönliche Einblicke in ihren ESG@Home Tag.

Herr Reitz

Durch einen frisch gebrühten Kaffee gestärkt, startet die Doppelstunde Erdkunde unseres EF Kurses pünktlich um 9:50 Uhr. Beim Blick in die Postings wünschten mir bereits einige Schüler*innen Minuten zuvor mit „Morgen!“ und „Hallo“ einen guten Start in den Tag. Da heute eine Projektarbeit ansteht und der Kurs bereits, weiß was zu tun ist, geht’s sofort los: „Guten Morgen, lieber Kurs“. 

In den kommenden 90 Minuten erstellt der Kurs innerhalb des Projektes ‚Leben mit endogenen Kräften der Erde‘ in Kleingruppen zu selbstständig gewählten Schwerpunkten, wie der Entstehung und den Auswirkungen von Seebeben und Tsunamis oder der Wirksamkeit von Vorwarnsystemen, Lernprodukte. Dabei können die Gruppen aus einer großen Vielfalt an möglichen Produkten (etwa Podcasts, interaktive Powerpoints oder Filme) wählen und auch auf ihre im Vorfeld erstellen Audioslideshows zu Vulkanen zurückgreifen. 

Um die Zeit von ESG@home sinnvoll und gewinnbringend nutzen zu können, hatten die Schüler*innen im Anschluss an ein Klausurtrainingslager zu Anfang des Homeschoolings die Möglichkeit, ihre Anregungen und Wünsche zur weiteren Gestaltung mit einzubringen. Hierbei kamen neben zeitlosen Klassikern („Filme gucken“/„nicht zuuu viele Aufgaben, bitte“) auch sehr konstruktive Ideen wie freieres und produktartiges Arbeiten in digitalen Projekten zur Vertiefung des bisherigen Unterrichtsstoffes.  

Um 11:20 Uhr sind alle Fragen geklärt und das heutige Erdkunde-Etappenziel ist erreicht: Ein bunter Strauß an unterschiedlichen Projektergebnissen (vom Seebeben vor Indien 2004 bis zum Erbeben in Zagreb 2020) wartet darauf, in der morgigen digitalen Stunde präsentiert zu werden. 

Im Zuge meines Referendariats betreue ich den EF Kurs auch über mein Staatsexamen hinaus, dabei finde ich es einerseits sehr schade, nun weniger Zeit mit Ihnen/euch am ESG zu verbringen, andererseits aber total spannend in dieser Zeit von ESG@home selbst mitmischen zu können und diese Erfahrungen zu machen. Die Arbeit und das Feedback der vergangenen Wochen hat mir noch einmal eindrucksvoll bewiesen, wie gut uns das Homeschooling durch das vorhandene Know-how des digitalen Lernens geglückt ist und was es bedeutet, mit engagierten, flexiblen und kreativen Kolleg*innen arbeiten zu können.

Zuflucht zwischen Schreibtisch- und Schaukelstuhl 🙂

Ich wünsche Ihnen und euch erholsame Osterferien!

Liva, EF

Heute ist bei den meisten bereits der Endspurt eingeläutet, noch einen Tag Nerdl und dann sind Osterferien! Auch ich freue mich schon darauf, nicht jeden morgen um acht auf Nerdl „Hallo“ zu schreiben und dann Aufgaben zu machen, sondern auszuschlafen.  Heute habe ich eines der Projekte abgegeben, die wir über die Zeit aufbekommen hatten – nur noch ein längeres Projekt und ich bin auch mit denen durch. 

Rückblickend ist die Zeit doch schneller vorbei gegangen als ich es erwartet hatte. Nach dem etwas holprigen Start mit vielen Probleme auf Nerdl, lief diese Woche, zumindest bei mir, makellos und alles hat funktioniert. Wenn es nach den Osterferien weitergeht, würde ich lieber wieder mehr kreative Aufgaben machen, die nicht nur beinhalten stumpf aus dem Buch abzuschreiben und zusammenzufassen, sondern selbst recherchieren und auch Diskussion führen. 

Paula, Klasse 6

Es war jetzt mein vorletzter Tag Online-Unterricht vor den Ferien, also wieder das Gleiche: Einloggen, Aufgaben machen, ausloggen. Ich bekomme langsam richtig Routine. Ehrlich gesagt, hätte ich gedacht, dass der Unterricht vor dem Rechner sich mehr von dem Unterricht im Klassenraum unterscheidet. Für mich sind die einzigen Unterschiede, dass es keinen mündlichen Unterricht gibt, und natürlich, dass ich nicht in der Klasse, sondern Zuhause sitze. Ich finde, dass der Online-Unterricht schneller langweilig wird als der normale Alltag in der Schule. Anders als meine Schwester, die diese Art von Unterricht schon fast besser findet. Aber ich kann mich in der Schule besser konzentrieren und mir fehlt die Zusammenarbeit mit den anderen Leuten aus meiner Klasse. Mein Bruder, der noch zur Grundschule geht, hat einen viel lockereren Arbeitstag. Er kann seine Aufgaben eigentlich machen wann er will und hat viel weniger zu tun. Die Aufgabenmenge beträgt bei mir dieselbe wie in der Schule, vielleicht ein bisschen weniger als normalerweise. Aber das ständige Zuhause-Sein hat auch sein Gutes: Ich bin viel mehr im Garten, kann mehr Zeit mit meiner Familie verbringen und habe weniger Stress als sonst. Morgen habe ich meine erste Videokonferenz, mal sehen wie das wird. Und vor den Osterferien ist das dann auch erstmal meine letzte. 

Paulas Arbeitsplatz!

Frau Kämpken – Sie lässt uns gleich an zwei Tagen teilhaben:

Dienstag, 31. April

3./4. Stunde: Mein bilingualer Erdkundekurs in Jahrgang 9 ist eine superlustige Truppe. Mehr noch – sie stellen sich gerne total spannende Fragen. Zum Beispiel ob man mit Hilfe von Datenbanken Einfluss des Krieges in Syrien auf die Entwicklung des Landes zeigen kann oder inwiefern die Nutzung nachhaltiger Energien Deutschland als entwickeltes Land auszeichnet. 

Heute ging es darum, inwiefern „Glück“ ein Maßstab für Entwicklung ist. Also habe ich gefragt, was sie in Zeiten von ESG@Home glücklich macht. Das Ergebnis: Meine superlustige Truppe ist noch gut drauf – aber die „Corontäne“ hinterlässt Spuren. Was kann man also tun? Wir schauen dazu einen Vortrag von Nic Marks zum „Happy Planet Index“. Dort lernen wir, dass „aktiv sein an der frischen Luft“ glücklich macht. Und viele Schüler*innen gelobten nachmittags raus zu gehen.

Ich schnappte mir jedenfalls nachmittags meine Familie für einen Waldausflug mit Picknick. Wir haben einen Staudamm gebaut und Dosenravioli auf dem Gaskocher warm gemacht. Yeah 🙂

Abends musste ich dann noch ein paar organisatorische Dinge klären, eine Email hier, ein Technikproblem da. ESG@home heißt eben auch, dass das Büro immer dabei ist. 

Mittwoch, 1. April 2020. 

Früh, sehr früh. Um etwa 4:20Uhr weckte mich ein lautes „Mama! Maaamaaaa!“ aus dem Kinderzimmer. Normalerweise – eine Katastrophe! Denn wenn ich wie sonst um 6:50Uhr mit dem Zug aus Hamm zum ESG fahre, zählt jede Stunde Schlaf. Aber heute kann ich mich nochmal umdrehen, denn ich habe erst um halb neun eine Verabredung mit meinem Q2 Leistungskurs. Wir treffen uns zum Quatschen zur Videokonferenz. Nach Wochen voll von Projektarbeiten, Probeklausuren, Fachbegriffslisten, Feedbackrunden und Barcamps ist die Luft einfach raus. Und so ist nur die Hälfte des Kurses da, ich kann es ihnen nicht verdenken. Sie wirken müde – und nicht gesprächig. Ich weiß, dass manche von Ihnen schlecht schlafen oder oft Bauchschmerzen haben. Ablenken, das kann ich. Ich plaudere über dies und das, etwas über Corona und die globale Verteilung (Geographen halt…). Und zuverlässig analysieren sie in 5 Sekunden ein Balkendiagramm zum Vergleich von Island und Holland, wofür Twitter gefühlt 5000 Tweets brauchte – Gott sei Dank, sie haben es noch drauf. Dann platzt meine Tochter ins Büro und erzählt den Abiturient*innen, dass sie ihr ganzes Taschengeld für Eis ausgibt. Sie lächeln – das geht also auch noch 🙂

Danach wurde es etwas stressig. Ich wollte schnell die Stunde auf NERDL für meine Achtklässler*innen in der 3./4. Stunde etwas „aufhübschen“ – ein freundliches Willkommen, ein Stundenablauf, Kriterien, Arbeitsanweisungen. Denn bei ESG@home kommen einige Schüler*innen immer zu früh zum Unterricht und wollen „schonmal gucken“(manche kommen gar nicht, aber das ist ein anderes Thema). Und gegessen hatte ich auch noch nichts. Mein Freund, meine Tochter und eine liebevoll dekorierte Smoothie-Bowl erwarteten mich bereits  – gemeinsames Frühstück mit Cappucchino. Luxus des Homeoffice. 

Und dann legten die Achtklässler los. Wir hatten uns einer Herausforderung gestellt: Pecha Kucha-Vorträge auf Zoom mit geteiltem Bildschirm, natürlich auf Englisch. Alle stellen ihre Mikrofone aus und wir hören einfach nur zu, auch ich. Wir lernen etwas darüber, wie die Tiere der Arktis vor den Herausforderungen des Klimawandels stehen. Und es ist gut, dass auch bei der Feedback-Runde mein Mikrofon stumm bleibt. In meinem Kopf meckert die Lehrerin in mir immer wieder, weil manche besser hätten üben oder tiefgründiger recherchieren müssen. Aber darum geht es nicht bei ESG@home. 20 von 24 Schüler*innen waren da, hatten ihre Präsentationen fertig, haben sich nicht unterbrochen, sich der Herausforderung gestellt. Ob das in N21 auch geklappt hätte? 

„Mama! Mamaaaa! Bist du jetzt fertig? Ich will aufs Trampolin!“ Leider noch nicht, denn ich wollte noch Emails checken von Schüler*innen, die ich bisher nicht erreicht habe. Und tatsächlich, einige haben geantwortet, bedanken sich sogar für Material. Da hüpft mein Herz und bald darauf auch ich, auf dem Trampolin. 

Hier gibt es übrigens den TED-Talk Nic Marks  zum Happy Planet Index: 

Und diese Grafik hat sich der Geographie LK angeschaut: 

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