Klausuren im Lockdown – Analog, über Zoom und neue Konzepte

Als in der letzten Woche vor den Ferien spontan die Schulschließung verkündet wurde, standen für viele von uns noch Klausuren oder Klassenarbeiten an, die jetzt nicht mehr in Präsenz stattfinden konnten. Anstatt sie ausfallen zu lassen haben viele ein neues Konzept ausprobiert: Onlineprüfungen. Was ist das überhaupt, was sind Vor- und Nachteile und wie zukunftsfähig ist das Konzept? Drei Erfahrungen:

Lillie, 8. Klasse

Wir haben eine„Openbook“ Klausur in Deutsch zu Hause und in der Schule geschrieben. Also eine Mischung aus Beidem, wo man auch den Lehrer fragen durfte und im Internet recherchieren konnte. Jedenfalls konnte ich mich zu Hause besser konzentrieren als in der Schule und es musste einem auch nicht gleich etwas zu dem jeweiligen Thema einfallen, sondern man konnte seinen Gedanken freien Lauf lassen und hatte so auch, meiner Meinung nach, weniger Stress.

Einige werden jetzt vielleicht sagen, dass das nicht gut ist, wenn man im Internet recherchieren kann. Dafür haben wir mit unser Deutschlehrerin aber auch eine Lösung gefunden im Rahmen unserer „Openbook“ Klausur (also einer Arbeit, bei der wir alle Hilfsmittel benutzen durften). Damit der Faktor mit der „normalen“ Klassenarbeit, ohne irgendwelche Hilfen (zum Beispiel aus dem Internet) nicht ganz wegfällt, haben wir nach der „Openbook“ Klausur noch einen kleinen Test zu dem Thema geschrieben, um unter Beweis zu stellen, dass auch unser Fachwissen abrufbar ist. Außerdem mussten wir bei der „Openbook“ Klausur auch immer Zwischenergebnisse zu ganz bestimmten Terminen abliefern. Dazu wurden uns Verbesserungsvorschläge zurückgemeldet, die wir einbauen mussten, was auch ein Teil der Bewertung war.

Katharina, Q2:

Während auch wir, die Q2 Schüler, wie alle anderen online Unterricht über NERDL oder Zoom haben, müssen wir dennoch unsere Klausuren schreiben.
Einige von euch haben sicher schon Prüfungen von zuhause aus ablegen müssen – in meinem Fall hatte ich eine mündliche Prüfung über Zoom, das war mehr als nur ungewohnt.
Wegen Corona-bedingter Quarantäne hatte ich nämlich sowohl den ersten als auch den zweiten Klausurtermin verpasst… als wäre das Lernen nicht schon kompliziert genug im Moment.

„Nun ja, kann man nichts dran ändern, mach einfach das Beste draus“, dachte ich mir.
„Das Beste draus machen“ hieß bei mir also sich-selber-verrückt-machen, gestresst sein und Angst vorm Versagen haben. Doch trotz all meiner Bedenken konnte ich zuversichtlich in die Prüfung gehen, was ich sowohl beruhigenden Worten meiner Familie als auch meiner Lehrerin zu verdanken habe.
Ich denke jede:r einzelne von uns braucht Unterstützung und Sicherheit von vertrauten Personen, besonders in der jetzigen Lage.

In Bezug auf meine mündliche Prüfung kann ich hoffentlich dem einen oder anderen ein wenig die Furcht nehmen:
Ob ich in Person oder bei einem direkten Gespräch entspannter bin, kann ich nicht wirklich einschätzen, doch eine Sache muss man immer im Kopf behalten – Prüfungen sind auch nur eine Verpflichtung für Lehrende, sie wollen uns alle dabei unterstützen.
Besonders von Vorteil ist natürlich, dass die Prüfer direkt auf dich eingehen können, falls Probleme bestehen.

Die Prüfung selbst fand übrigens auf großer Vertrauensbasis statt – Vertrauen meiner Lehrerin zu mir (und Vertrauen in eine unterschriebene Klausel ;), die eigenständiges Arbeiten ohne Schummeln als Bedingung für das Abnehmen der Prüfung voraussetzt.

Melanie, EF:

In der EF haben wir vor den Ferien eine Matheklausur online geschrieben, was sich im Vergleich mit anderen Fächern etwas komplizierter gestaltete als einfach eine Analyse in Word zu tippen und dann hochzuladen. Stattdessen haben wir ganz normal im Heft geschrieben und bekamen nach den „offiziellen“ 90 Minuten weitere zehn Minuten Zeit, um die Seiten abzufotografieren oder einzuscannen. Ich persönlich hatte im Vorfeld einige Bedenken, dass mir diese Zeit zu knapp sein würde, sie hat aber letztendlich mehr als ausgereicht.

Alle, die selbst eine Onlineklausur geschrieben haben wissen natürlich wie diese ablaufen, für alle anderen sei es einmal kurz erklärt: Alle Schüler:innen treten mit eingeschalteter Kamera einem Zoommeeting bei. Danach werden die Aufgaben auf nerdl freigeschaltet und sind für die Zeit der Klausur sichtbar, danach werden sie wieder gelöscht. Nach der Schreibzeit laden alle ihre Ergebnisse in einer PDF hoch.

Natürlich gibt es überall Vor- und Nachteile, so auch bei Online-Prüfungsformaten.

Vorteile sind aus unserer Sicht zum Beispiel, dass man weniger angespannt ist und sich im eigenen Zimmer nicht so sehr einer Prüfungssituation ausgesetzt fühlt, dass man weiterhin die Möglichkeit hat, seine Note durch schriftliche Leistungen zu verbessern und natürlich, dass es ein wichtiges Mittel ist um in der aktuellen Situation Kontakte zu vermeiden.

Der größte Nachteil ist (vermutlich vor allem aus Sicht der Lehrkraft), dass man Schüler:innen nicht 100%ig am Schummeln hindern kann. Allerdings sollte man sich als Schüler:in ersten selbst dessen bewusst sein, dass man auf diese Weise auch selbst nichts lernt. Zweitens sollte man den Schüler:innen ab einem gewissen Alter genug Vertrauen in dieser Hinsicht entgegenbringen können. Außerdem fordert ja (noch?) niemand, wirklich wichtige Prüfungen wie die Abiklausuren auf Distanz schreiben zu lassen.

Unsere persönlichen Meinungen zum Thema gehen etwas auseinander. Auch, wenn wir alle positiv überrascht von unseren eigenen Prüfungserfahrungen waren, können sich nicht alle vorstellen auch langfristig so zu verfahren. Ein Kompromiss könnte auch sein, dass es eine Klausur in der Schule und eine zuhause gibt oder, dass Prüfungen zwar generell in der Schule stattfinden, (langzeit-)kranke oder anders verhinderte Schüler jedoch die Möglichkeit bekommen von zuhause zu schreiben.

Was denkt ihr über darüber? Habt ihr auch schon eine Onlineprüfung gehabt? Schreibt uns gerne einen Kommentar 🙂

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