Es ist Dienstag – Herzlich willkommen zur Andacht

„Du stellst meine Füße auf weiten Raum“

Ein kleiner Mann mit schwarzem Hut auf einer Wiese. In den Händen hält er ein Schild. Statt des Mannes könnte auch eine Frau dort stehen. Oder ein Mädchen oder ein Junge. Was auf dem Schild des Mannes steht, passt zu jeder und jedem von uns. „Ich“ steht auf dem Schild.

Über dem kleinen Mann viele große Hände. Sie halten Griffe. An den Griffen hängen Fäden. An den Fäden hängt der Mann. Eine Marionette. Sie muss tun, was die Hände wollen. Das passt hoffentlich nicht zu jeder und jedem von uns. Marionetten möchten wir nicht sein, sondern uns frei bewegen und selber entscheiden, was wir tun und wohin wir gehen. Der kleine Mann vermutlich auch. Doch woher kommen dann die Fäden, hinter denen er fast verschwindet? Und hängen wir womöglich ebenfalls an solchen Fäden? Zu wem gehören die Hände, die über uns bestimmen?

Euch Schülerinnen und Schülern fallen dazu wahrscheinlich als erstes die Erwachsenen ein, eure Lehrerinnen und Lehrer zum Beispiel. Ihr möchtet selber entscheiden, aber sie machen euch ständig Vorschriften und wissen alles besser. Vielleicht denkt ihr auch an eure Freundinnen und Freunde. „Lizzy ist wirklich nett – aber immer muss es nach ihrer Nase gehen.“ Und erst die „Influencer“ aus dem Internet! Warum heißen sie wohl so?

Wenn ihr die Erwachsenen fragt, wer bei ihnen die Fäden zieht, sagen sie: „Mein Chef.“ Oder: „Die da oben“. Damit sind meist die Politiker gemeint. Eltern antworten vielleicht: „Meine Kinder“, und Lehrer: „Meine Schüler.“ So selbständig und unabhängig, wie wir gern wären, ist offenbar kaum jemand. 

Was können wir also für den kleinen Mann tun, der an den großen Händen hängt? Wollen wir die Fäden durchschneiden? Weg mit Eltern und Lehrern, Freundinnen und Freunden? Weg mit dem Chef, den Kindern, den Schülern? Ist der Mann dann zufrieden? Endlich frei? Oder ist er nur allein?

Wenn wir darüber nachdenken, ist es wohl doch kein so guter Einfall, die Fäden durchzuschneiden, an denen wir hängen. Sie gehören zu uns, besser gesagt: Die Menschen, die die Fäden halten, gehören zu uns – manche wenigstens. Ohne sie bliebe nichts von uns übrig als ein einsamer kleiner Mann mit einem Schild. „Ich“ steht auf dem Schild, aber niemand wäre da, der es liest.

In der Bibel heißt es von Gott: „Du stellst meine Füße auf weiten Raum.“ Das bedeutet: Auch Gott möchte nicht, dass wir Marionetten sind. Wir sollen uns frei bewegen und selber entscheiden können, was wir tun und wohin wir gehen. Damit uns das gelingt, macht Gott uns den Weg frei und stellt unsere Füße auf weiten Raum.

Doch Gott verlangt nicht, dass wir allein losziehen. Er selbst geht mit, und er wünscht uns Mitmenschen an unserer Seite, die auch mitgehen und uns dabei helfen, den richtigen Weg zu finden. Wir müssen ihnen ja nicht alles glauben und nur nach ihrer Pfeife tanzen. Am besten kommen wir voran, wenn sich der eine an der anderen festhalten kann.

Euer Martin Schewe

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