Es ist Dienstag – Herzlich willkommen zur Andacht

Gott redet mit Mose wie mit einem Freund

Heute geht es noch einmal um Mose. In der letzten Andacht haben wir ihn auf dem Berg Sinai zurückgelassen. Dort erhält er die steinernen Tafeln, auf denen Gott seine Weisungen für das Volk Israel aufgeschrieben hat. Zum Sinai sind die Israeliten gekommen, nachdem Gott sie aus Ägypten befreit hat. Dort wurden sie unterdrückt und mussten als Sklaven arbeiten. Gott hat Mose beauftragt, sie aus der Sklaverei zu führen. Welche Hindernisse und Gefahren es dabei zu überwinden gab, konntet ihr in den vorigen Wochen lesen. Am Berg Sinai schließt Gott mit Israel einen Bund: Gott nimmt die Israeliten als sein Volk an, und sie wollen ihm gehorsam sein.

Vierzig Tage und Nächte bleibt Mose auf dem Berg. In dieser Zeit kommt das Volk auf dumme Gedanken. Vierzig Tage und Nächte sind den Israeliten zu lang. Sie wissen nicht, was aus Mose geworden ist. Deshalb wenden sie sich an seinen Bruder Aaron und verlangen: „Mach du uns einen Gott, der vor uns hergehen soll!“ Aaron befiehlt: „Bringt mir die goldenen Ohrringe eurer Frauen, Söhne und Töchter“, und gießt aus dem Gold das Bild eines Kalbs. Die Israeliten rufen: „Das ist der Gott, der uns aus Ägypten befreit hat.“ Sie bringen dem goldenen Kalb Opfer und feiern vor ihm einen wüsten Gottesdienst.

Was dann geschieht, erzählt die Bibel zweimal. Beim erstenmal lesen wir, dass Gott oben auf dem Berg merkt, was unten vor sich geht, und zu Mose sagt: „Ich sehe, sie sind ein ungehorsames Volk. Darum will ich sie vernichten.“ Aber Mose bittet Gott um Gnade. „Sollen die Ägypter etwa sagen, du hast die Israeliten befreit, um sie danach zu töten? Denk doch an das Versprechen, das du uns gegeben hast. Du wolltest uns in ein Land bringen, wo Milch und Honig fließen.“ Da bereut Gott seinen Entschluss, Israel zu vernichten.

In der zweiten Fassung der Geschichte steigt Mose mit den beiden steinernen Tafeln vom Berg hinab und ahnt noch nicht, was ihn im Lager der Israeliten erwartet. Als er das goldene Kalb sieht, wird Mose zornig. Er wirft die Tafeln weg, die Gott selbst gemacht und in die er selbst die Schrift eingegraben hat, und zerbricht sie. Dann zerstört Mose das Kalb, ruft diejenigen zu sich, die es nicht angebetet haben, und fordert sie auf, die anderen zu töten. Am nächsten Tag jedoch bittet er Gott auch diesmal um Gnade für Israel, und wieder lässt sich Gott überzeugen.

Weil die Tafeln zerbrochen sind, befiehlt Gott Mose, neue zu machen und noch einmal auf den Berg zu kommen. Dort diktiert Gott Mose, was er auf die Tafeln schreiben soll. Noch einmal bleibt Mose vierzig Tage und Nächte auf dem Sinai. Als er mit den neuen Tafeln zurückkommt, legt er sie in die Bundeslade, das Heiligtum, das die Israeliten auf ihrem weiteren Weg mit sich führen werden. Außerdem baut Mose die Stiftshütte, das heilige Zelt. Es steht außerhalb des Lagers der Israeliten. In die Stiftshütte geht Mose, wenn Gott mit ihm reden will. Gott redet dort mit Mose von Angesicht zu Angesicht, wie mit einem Freund.

Geht das überhaupt? Ihr erinnert euch: Als Gott mit Mose aus dem brennenden Dornbusch spricht, verhüllt Mose sein Gesicht, weil er sich fürchtet, Gott anzusehen. Auch die Israeliten fürchten sich, Gott zu begegnen. Dazu ist er zu groß und mächtig. Deshalb bitten sie Mose: „Rede du mit ihm, aber lass ihn nicht mit uns reden.“ Bestimmt erinnert ihr euch aber auch, dass Mose einmal die Ältesten Israels mit auf den Berg Sinai nimmt. Dort sehen sie Gott leibhaftig und müssen trotzdem nicht sterben.

Beides stimmt: dass Gott mit Mose redet wie mit einem Freund und dass dennoch selbst Mose Gottes Anblick nicht ertragen kann. „Lass mich deine Herrlichkeit sehen“, bittet Mose ihn einmal. Aber Gott antwortet: „Kein Mensch wird leben, der mich sieht.“ Nur hinterhersehen darf Mose, als Gott an ihm vorübergeht. So hell ist seine Herrlichkeit, dass auch Moses Gesicht glänzt, nachdem er mit Gott gesprochen hat. Mose muss es mit einer Decke verhüllen, weil die Israeliten den Abglanz Gottes nicht aushalten.

Vierzig Tage bleibt Mose auf dem Berg Sinai. Vierzig Jahre wird er die Israeliten durch die Wüste führen, bis sie zu dem Land kommen, das Gott ihnen versprochen hat. Vielleicht lest ihr einmal in der Bibel nach, was in diesen vierzig Jahren noch passiert: wie Gott seinem Volk Wachteln und Manna schickt, damit es zu essen hat, und Wasser aus einem Felsen sprudeln lässt, weil es durstig ist; wie die Israeliten an Gott zweifeln und an Mose; wie Mose selber zweifelt und Gott sie dennoch nicht im Stich lässt; welche Gebote er Israel gibt, damit es richtig lebt; die Geschichten von Moses Schwester Miriam, die aussätzig wird und wieder gesund, und von Bileam, dem Propheten, der fluchen will und nur segnen kann.

Mose selbst betritt das verheißene Land nicht. Er darf es nur sehen, bevor er stirbt. Moses Nachfolger Josua wird die Israeliten hineinführen. Doch das ist eine andere Geschichte. Unsere endet mit einer großen Rede, die Mose vor seinem Tod hält. Darin erinnert er die Israeliten an alles, was Gott für sie getan hat und was sie von ihm zu erwarten haben und Gott von ihnen. In dieser Rede steht das Glaubensbekenntnis des Judentums. Es lautet:

„Höre, Israel, der Herr ist unser Gott, der Herr allein. Und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieb haben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit aller deiner Kraft. Und diese Worte, die ich dir heute gebiete, sollst du zu Herzen nehmen und sollst sie deinen Kindern einschärfen und davon reden, wenn du in deinem Hause sitzt oder unterwegs bist, wenn du dich niederlegst oder aufstehst. Und du sollst sie binden zum Zeichen auf deine Hand, und sie sollen dir ein Merkzeichen zwischen deinen Augen sein.“

Euch allen eine schöne Woche! Euer Martin Schewe

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