Let´s Talk Mental Health 02

Self-compassion – wie redest du eigentlich mit dir?

Da gibt es diese alte Geschichte von einem Professor, der gefragt wird, warum er dauernd Selbst­­gespräche führt. Seine Antwort: „Weil ich mich so gerne mit gebildeten Leuten unter­halte.“

Auch wenn uns Verhalten und Antwort des besagten Professors wunderlich erscheinen – die meisten Menschen führen Selbst­­­gespräche. Die wenigsten tun dies aber so, dass andere sie dabei hören könnten. Wir alle haben unsere inneren Gespräche oder denken laut vor uns hin.

Es lohnt, das einmal zu beobachten. Vor allem, darauf zu achten, wann und wie oft wir uns selbst verurteilen und uns selbst ziemlich mies behandeln: „Ich bin auch echt zu blöd!“ „Das kann auch nur mir passie­ren!“ „Ist ja mal wieder typisch!“ „Ich kann das sowieso nicht!“ „Ich werde das nie schaffen!“ – und das ist nur eine kleine Auswahl solcher Sätze. So würden wir mit unseren Freund:innen und anderen uns nahestehenden Menschen niemals umgehen. Aber mit uns selbst?!

Was brauchen wir denn stattdessen? Wenn wir entmutigt sind, uns ein Missgeschick passiert ist, wir eine Herausforderung nicht geschafft haben? Wenn wir denken, so wie wir sind, sind wir nicht gut genug?

Die Amerikanerin Kristin Neff, Professorin für Psychologie und Persön­lich­keits­ent­­wicklung, hat sich intensiv mit der Thematik beschäftigt. Ihre Antwort: Self-Compassion – Selbst­­mitgefühl. Gegen die verurteilenden Sätze setzt sie die Selbstmitgefühlsfrage: „Wenn ich es gut mit mir meine, was würde ich jetzt tun?“ Es ist hilfreich, sich diese Frage regelmäßig zu stellen.

Darüber hinaus sind es drei wichtige Komponenten, die Selbstmitgefühl aus­machen:

  1. Achtsamkeit – Das achtsame Wahrnehmen unserer Körperempfindungen, Ge­dan­ken und Gefühle. Dabei werden auch die unangenehmen und schmerzlichen Empfindungen nicht verdrängt, sondern zugelassen.
  2. Gemeinsame menschliche Grunderfahrungen – Es gehört zum Menschsein, unan­ge­nehme, leidvolle oder schmerzliche Erfahrungen zu machen. Das verbindet uns mit allen Menschen – wir sind nicht allein mit unserem Schmerz.
  3. Selbstfreundlichkeit – Statt uns für unser Erleben zu verurteilen oder die Schuld zu geben, gehen wir freundlich und wohlwollend mit uns um.

In Anlehnung an Andreas Knuf: Sei nicht so hart zu dir.
Selbstmitgefühl in guten und miesen Zeiten. Kösel 2016, 72f.

Wenn man sich dies immer wieder bewusst macht, kann man sich Schritt für Schritt in diese Haltung einüben. Dann wird sie in guten wie miesen Zeiten hilfreich und stärkend sein.

Übrigens: Mit Egoismus hat Self-Compassion nichts zu tun. Im Gegenteil! Aus der Haltung des Selbst­­mitgefühls nähren sich auch unser Gespür und unsere Empathie für andere Menschen.

Abschließend ein wichtiger Hinweis: Wenn du dich mutlos fühlst oder denkst, nicht gut genug zu sein, wenn du Misserfolge zu verarbeiten hast oder dich andere Dinge sehr belasten, ist es wichtig, sich Hilfe zu suchen. Neben deinen Eltern und anderen vertrauten Menschen sind auch wir Bera­tungs­menschen am ESG natürlich wie immer für dich da. Gerne nehmen wir uns Zeit, um mit dir zu überlegen, welche Unterstützung du dir wünschst. Wie du uns erreichst und eine Über­sicht exter­ner Hilfsangebote findest du auf der Beratungshomepage (weit nach unten scrollen): https://esg-guetersloh.de/schulgemeinde/beratungsteam/

„Wenn du es gut mit dir meinst, was würdest du jetzt tun?“ – Pass gut auf dich auf!

Dein Tobias Beckervordersandforth
Beratungslehrer und Coach (DGfC)
bvs@esg-guetersloh.de

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