Das Label ist kein Preis, sondern eine Verpflichtung

Drei Schülerinnen erzählen, wie das ESG „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ wurde

Mit viel Engagement haben sich Beray, Azra und Ghazal (EF) dafür eingesetzt, dass das ESG das Label „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ erhält. Im Interview erzählen sie, wie die Idee entstanden ist, welche Herausforderungen es gab und warum die eigentliche Arbeit jetzt erst beginnt.

Bitte stellt euch doch kurz vor.

Beray: Ich bin Beray und gehe in die EF.

Azra: Ich bin Azra, ebenfalls in der EF.

Ghazal: Und ich bin Ghazal, auch in der EF.

v.l. Ghazal, Azra, Beray (Foto: Th. Göhler)


Wann habt ihr zum ersten Mal gedacht: „Unsere Schule sollte Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage werden“?

Die Idee entstand im März 2024. Damals haben wir bei Frau Strüwe an einem Projekt zum Internationalen Tag gegen Rassismus teilgenommen. Dabei haben wir gemerkt, wie wichtig das Thema ist und wie viel man an einer Schule bewegen kann. Das und die Tatsache, dass wir über Freunde an anderen Schulen wie der GSS über die positiven Auswirkungen des Projekts Bescheid wussten, hat uns inspiriert, das Projekt dauerhaft an unserer Schule umzusetzen.

Was war der schwierigste Schritt auf dem Weg zum Label?

Vor allem war es schwierig, andere von der Idee zu überzeugen und möglichst viele Menschen mitzunehmen. Außerdem gab es viele organisatorische Aufgaben, Abstimmungen und bürokratische Schritte. Auch der Videodreh für das Projekt hat viel Zeit und Arbeit gekostet.

Gab es Momente, in denen ihr gedacht habt, dass es vielleicht nicht klappt?

Ja, immer wieder. Es gab Missverständnisse und Situationen, in denen wir uns gefragt haben, ob wir unser Ziel erreichen würden. Zum Glück haben wir immer Unterstützung bekommen und weitergemacht.

Wer hat euch bei dem Projekt besonders unterstützt?

Vor allem Frau Tewes und Frau Bansmann. Sie hatten immer ein offenes Ohr für uns, haben uns verstanden und uns während des gesamten Projekts begleitet.

Viele denken bei Rassismus an extreme Fälle. Wie zeigt sich Rassismus im Schulalltag?

Oft zeigt sich Rassismus viel subtiler. Menschen werden aufgrund ihrer Herkunft, Religion oder Nationalität in Schubladen gesteckt. Aussagen wie „Das sind halt die Türken“ oder ähnliche Verallgemeinerungen, aber auch Witze und Blödeleien werden oft als harmlos angesehen, können aber verletzend sein. 

Warum ist es wichtig, nicht wegzuschauen, auch wenn man selbst nicht betroffen ist?

Wenn niemand etwas sagt, verändert sich auch nichts. Rassismus betrifft zwar nicht immer jeden direkt, aber er betrifft unsere gesamte Schulgemeinschaft. Deshalb ist es wichtig, hinzuschauen, zuzuhören und Betroffene zu unterstützen.

Was bedeutet das Label für euch persönlich?

Natürlich freuen wir uns über die Auszeichnung, darüber, dass wir das einfach geschafft haben. Gleichzeitig sehen wir das Label aber nicht als Preis, sondern als Verpflichtung. Es ist ein Zeichen dafür, dass wir als Schulgemeinschaft Verantwortung übernehmen wollen. Für uns ist das kein Abschluss, sondern der Startschuss für weitere Projekte.

Worauf seid ihr besonders stolz?

Darauf, dass wir trotz des großen Zeitaufwands und vieler Herausforderungen nicht aufgegeben haben. Der Moment auf der Bühne bei der Verleihung war etwas ganz Besonderes und hat uns gezeigt, dass sich die Arbeit gelohnt hat.

Warum ist das Label mehr als nur eine Plakette an der Wand?

Weil sich mit dem Label auch eine Verantwortung verbindet. Es reicht nicht, die Auszeichnung zu erhalten – entscheidend ist, wie wir sie im Schulalltag mit Leben füllen. Das Label erinnert uns daran, aufmerksam zu bleiben und uns aktiv für Respekt und Vielfalt einzusetzen.

Was würdet ihr Schülerinnen und Schülern sagen, die denken: „Bei uns gibt es doch gar keinen Rassismus“?

Wir würden sagen: Augen und Ohren offen halten. Viele Dinge passieren im Alltag und werden gar nicht bemerkt. Manche Aussagen oder Witze verletzen Menschen, auch wenn andere das vielleicht nicht merken. Deshalb ist es wichtig, darüber zu sprechen, Alltagsrassismus zu erkennen und daraus zu lernen.

Welche Aktionen oder Projekte wünscht ihr euch für die kommenden Jahre?

Ideen gibt es auf jeden Fall genug. In diesem Jahr gab es bereits die Aktion, bei der möglichst viele Schülerinnen und Schüler Pink getragen haben, um ein sichtbares Zeichen gegen Rassismus zu setzen. Daran möchten wir anknüpfen.

Wir könnten uns zum Beispiel eine Zusammenarbeit mit dem Fach Kunst vorstellen, um die Themen Vielfalt, Respekt und Courage im Schulgebäude sichtbar zu machen. Auch größere Schulaktionen wären denkbar – etwa gemeinsame Veranstaltungen nach dem Vorbild anderer Schulen, Konzerte oder Aktionstage.

Spannend fänden wir außerdem einen interreligiösen Abend, bei dem Menschen unterschiedlicher Religionen miteinander ins Gespräch kommen. Auch ein Aktionstag mit kulinarischen Angeboten aus verschiedenen Kulturen wäre eine schöne Möglichkeit, Vielfalt erlebbar zu machen.

Ein weiteres Thema ist für uns die stärkere Berücksichtigung religiöser Feiertage. Darüber möchten wir demnächst auch mit der Schulleitung ins Gespräch kommen.

Kurz gesagt: Es gibt unglaublich viele Ideen – und noch jede Menge zu tun. Das Label soll schließlich nicht nur eine Auszeichnung sein, sondern der Beginn einer langfristigen Entwicklung.

Was wäre für euch ein Zeichen dafür, dass sich das Projekt wirklich gelohnt hat?

Es müssen nicht immer riesige Veränderungen sein. Schon wenn sich das Miteinander in einer Klasse verbessert oder Menschen bewusster miteinander umgehen, wäre das ein Erfolg. Wenn es einfach normal ist, aufzupassen, wie wir miteinander umgehen, wenn Achtsamkeit quasi das neue Normal wird.

Was habt ihr durch das Projekt gelernt?

Wir haben gelernt, dass Veränderungen Zeit brauchen und dass man manchmal viel Geduld haben muss. Gleichzeitig haben wir erlebt, wie viel man erreichen kann, wenn man an eine Idee glaubt und nicht aufgibt.

Welche Botschaft möchtet ihr euren Mitschülerinnen und Mitschülern mitgeben?

Denkt erst nach, bevor ihr sprecht. Und behandelt andere Menschen so, wie ihr selbst behandelt werden möchtet.

Wenn ihr einem neuen Fünftklässler in einem Satz erklären müsstet, was „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ bedeutet – was würdet ihr sagen?

Es bedeutet, aufeinander zu achten, respektvoll miteinander umzugehen und den Mut zu haben, einzuschreiten, wenn Menschen ausgegrenzt oder verletzt werden.

Ein Gedanke zu „Das Label ist kein Preis, sondern eine Verpflichtung“

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