Sehr geehrter Herr Bürgermeister, wir haben ein paar Fragen zur Corona Krise …

Nach dem offenen Brief des Bürgermeisters an die Gütersloher Schüler und Schülerinnen, fielen uns Bloggern doch noch ein paar Fragen ein, die wir ihm stellen wollten. Schön, dass Sie sich dafür in der aktuellen Situation noch Zeit genommen haben, Herr Schulz! Danke!


1) Sind Sie auch in Quarantäne, denn Sie kommen ja täglich mit so vielen Menschen zusammen?

Nein, ich arbeite wieder im Rathaus, habe aber zuvor einige Tage wegen einer leichten Erkältung von zu Hause aus gearbeitet. Das haben wir bereits vor einigen Wochen unseren Mitarbeitern nahe gelegt, damit sich nicht auch noch Erkältungen und die „normale „Influenza“, die es ja auch noch gibt, zusätzlich verstärkt ausbreiten. Alle dienstlichen Kontakte haben wir auf die unbedingt notwendigen reduziert, dabei wird sichergestellt, dass die vorgeschriebenen Hygiene- und Kontaktregeln eingehalten werden.


2) Arbeiten die Leute im Rathaus noch? 

Ja, denn als Verwaltung müssen wir sicherstellen, dass die Versorgung, Sicherheit und Information der Bevölkerung in diesen Tagen gewährleistet ist. Aber auch die Kontakte ins Rathaus haben wir auf das unbedingt Notwendige reduziert. Das Rathaus ist seit vergangener Woche für den Publikumsverkehr geschlossen, dringende, unbedingt notwendige  Anliegen können nach vorheriger telefonischer Anmeldungen erledigt werden. Es gibt dafür Einlasskontrolle am Rathaus-Eingang. Der Kreis ist mit dem Kreishaus ähnlich verfahren.


3) Was ist derzeit Ihre größte Sorge?

Dass wir durch all diese großen Einschnitte das Tempo der Ausbreitung des Virus nicht stoppen können. Ich denke, dass ist die größte Sorge aller im Moment.


4) Gibt es in Gütersloh abweichende Regeln von den Landesregeln? 

In der Landesverordnung heißt es, dass Bibliotheken den Zugang unter strengen Auflagen “beschränken” können. Unsere Stadtbibliothek, die ja ein sehr offener Raum ist, hat sich zur Schließung entschlossen, bietet aber ein sehr interessantes und vielfältiges Online-Angebot. 


5) Halten Sie die jetzigen Regelungen für ausreichend oder wird es Verschärfungen geben?

Seit ich die Fragen bekommen habe, sind die Regelungen am Sonntag durch die neuen Verordnungen ja bereits noch einmal verschärft worden. Die getroffenen Maßnahmen – Stichwort: Kontaktsperre – halte ich für richtig. Auch die klare Ansage, dass es sich bei Verstößen gegen die Verbote nicht um Bagatellen handelt.

6) Wissen Sie, wie viele Intensivbetten es in Gütersloh gibt? 

*Herzliche Bitte, diese Frage direkt an die Gütersloher Kliniken zu richten.

7) Sind die Gütersloher Krankenhäuser ausreichend versorgt?

Alle Beteiligten in den Gütersloher Kliniken und auch in der Region haben Vorkehrungen getroffen, ausreichend Kapazitäten für Intensivbehandlungen vorzuhalten. Medizinisch planbare Operationen sind auf das Notwendigste reduziert, ein Diagnosezentrum der Kassenärztlichen Vereinigung ist auf dem Gelände des Klinikums eingerichtet. Die Gütersloher Kliniken kooperieren zudem eng mit dem Gesundheitsamt des Kreises. Wichtig ist, dass alles getan wird, um auch das Personal zu schützen und so den Betrieb zu sichern, also die Versorgung mit Schutzkleidung zu sichern.

Den Ärzten, Ärztinnen, dem Pflegepersonal, dem Rettungsdienst und allen anderen, die die medizinische und pflegerische Versorgung gewährleisten, gilt mein ganzer Respekt und mein Dank. – Und: Es erweist sich in dieser Situation bisher als gut und richtig, dass wir hier vor Ort und im Kreis Gütersloh eine gute medizinische Nahversorgung haben.

8) Wie sieht ihr Alltag derzeit aus?

Wie schon gesagt: Alle Termine mit Veranstaltungen und Repäsentationen oder Kontakt in der Öffentlichkeit sind ausgesetzt, alle Tagungen und Sitzungen sind abgesagt, aber dafür gewinnt das mobile Arbeiten für mich, aber auch für alle anderen Kollegen und Kolleginnen noch einmal an Fahrt. Das heißt: Wir stimmen uns auf virtuellen Plattformen ab und sehen uns im Wesentlichen auf dem Display von Ipads & Co oder wir machen Telefonkonferenzen. Das funktioniert wirklich sehr gut. 

Der Entwicklung in den vergangenen Wochen ist mit “dynamisch” gut beschrieben.   Beim ersten Pressegespräch, als wir Veranstaltungen und erste Einschränkungen bekannt gegeben haben, habe ich gesagt, dass wir jeweils in “Echtzeit” handeln. Das gilt heute auch noch so.  


9) Was ärgert Sie derzeit …

Wenn Menschen die Maßnahmen und Einschränkungen nicht ernst nehmen, öffentlich oder privat in Gruppen zusammen kommen, so wie das am Anfang der einschränkenden Maßnahmen vorgekommen ist. Einfach mal nach Italien oder Spanien schauen – dann wird klar, dass wir alles daran setzen müssen, um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen. Und das geht im Moment nur durch Verzicht auf soziale Kontakte.


10) … was gibt Ihnen Mut/ Hoffnung?

Dass der absolute Großteil der Menschen inzwischen den Ernst der Lage erkannt hat und sich  sehr diszipliniert an die Regeln hält. Weiterhin erlebe ich zuhause, dass das Lernen nicht ausfällt, wenn die Schulen geschlossen sind – ich finde es toll zusehen, wie viel Engagement die Lehrer und Lehrerinnen aufbringen, um auf Lernplattformen wie z.B. Nerdl oder Moodle den Unterricht fortzusetzen – und ich finde das gelingt ziemlich gut. 

Aber es macht auch Mut, dass es unglaublich viele Aktionen von Solidarität, Nachbarschaft, Hilfe und Fürsorge gibt. Das wollen wir auch als Verwaltung unterstützen und mit organisieren. Deshalb haben wir vergangene Woche die „VoluMap“ frei geschaltet, eine App, die Institutionen, die Helfende suchen und Freiwillige, die Hilfe anbieten zusammenbringt. Aber unsere Ehrenamtskoordinatorin, Frau Elke Pauly-Teismann, steht  auch für Hilfe suchende Menschen als Ansprechpartnerin zur Verfügung, alle Infos und Adressen haben wir unterwww.ehrenamt.guetersloh.de eingestellt.

Mit freundlichen Grüßen

Henning Schulz
Bürgermeister

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